Fernbeziehung: "Er will, dass ich zu ihm ziehe"

Dienstag, 06.10.2015

Die 22-jährige Carina und ihr Freund führen seit vier Monaten eine Fernbeziehung. Doch er kommt mit der Distanz nicht mehr klar. Was kann Carina tun, damit es ihm besser geht und das Problem nicht Überhand gewinnt?

In unserer Kolumne stellt eine Leserin eine Liebes-Frage und erhält zwei Antworten zu ihrem Problem: die eines Partnerschafts-Experten und die eines Mannes ohne psychologische Vorkenntnisse. Was sie zum Thema "Fernbeziehung" raten, lesen Sie hier:

Thema heute: "Er will keine Fernbeziehung mehr"

Die Frage:

"Seit vier Monaten lebe ich mit meinem Freund in einer Fernbeziehung (vier Stunden Autofahrt). Es läuft alles super, wir sehen uns regelmäßig alle zwei Wochen und wechseln uns dabei ab: Mal kommt er für das Wochenende zu mir und das nächste Mal besuche ich ihn. Die Zeit ist wunderschön und die Abschiede sind sehr traurig und beklemmend. Logisch.

Vor zwei Wochen eröffnete er mir, dass er sehr darunter leidet, mich nicht ständig um sich zu haben. Nach einigen Schwierigkeiten in seinem Freundeskreis und vielen ernsten Gesprächen mit ihnen wünscht er sich oft, dass ich einfach nur bei ihm bin.

Fernbeziehung als Trennungsgrund?

Er sagt, er könne nicht von mir verlangen, mein komplettes Leben zu verändern und zu ihm zu ziehen, jedoch sieht er aufgrund seines kürzlichen Berufswechsels keine Möglichkeit, zu mir nach Österreich zu kommen.

Seit diesem Gespräch habe ich das Gefühl, dass er sich etwas von mir zurückzieht und auch viel grübelt, ob er die Fernbeziehung auf Dauer aushält. Mir fällt es natürlich genauso schwer wie ihm, so lange Zeit voneinander getrennt zu sein, jedoch glaube ich, mit der Situation besser klarzukommen als er.

Meine Frage: Wie kann ich diese Fernbeziehungs-Unsicherheiten seinerseits am besten behandeln? Haben Sie Tipps für uns, die das Nicht-täglich-Zusammensein etwas erträglicher machen?"

Carina, 22

Die Experten-Antwort zum Problem "Fernbeziehung":

"Liebe Carina, aktuelle Untersuchungen bestätigen, dass die Anzahl der Paare, die eine Fernbeziehung führen, stetig wächst. Gründe dafür sind zum Beispiel die Möglichkeit, die große Liebe übers Internet zu finden, oder aber die in vielen Berufen permanent geforderte Bereitschaft zur räumlichen Flexibilität.

Beziehungen auf Distanz haben ohne Zweifel ihren Reiz und erscheinen gerade in der anfänglichen Phase der Verliebtheit problemlos zu funktionieren. Soll die Beziehung für beide und auf Dauer befriedigend sein, gibt es aber ein paar wichtige Punkte, die man sich bewusst machen und am besten gemeinsam besprechen sollte. Denn nicht jeder Mensch ist der Typ für eine Fernbeziehung.

Eifersucht und Probleme in der Partnerschaft

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Wer zur Eifersucht neigt, oder ein extremes Nähebedürfnis hat, wird auf Dauer Schwierigkeiten bekommen. Ein gemeinsamer Alltag mit allem, was dazu gehört, inklusive Streit, ist wichtiger Bestandteil einer Paarbeziehung. In einer Fernbeziehung lebende Paare haben diese konstruktive und Vertrauen schaffende Möglichkeit der Konfrontation nicht, sondern sind vielmehr darauf bedacht, die kurze Phase des Zusammenseins möglichst harmonisch zu gestalten.

Das ist nachvollziehbar aber falsch, da so Probleme nur vertagt werden und sich aufstauen. Mehr noch als in 'Nah'-Beziehungen sind Menschen, die sich auf Distanz lieben, darauf angewiesen, von ihrem Gegenüber zu erfahren, welchen Stellenwert sie für den anderen besitzen. Und, ganz wichtig: Paare, die eine Fernbeziehung führen, brauchen eine gemeinsame Perspektive, ein gemeinsames Ziel, auf das man zusteuern kann und das beide, auch auf Distanz, verbindet.

Liebe Carina, besprechen Sie diese Punkte mit Ihrem Freund und ich bin mir sicher, Sie bekommen eine Idee, was sie beide für Ihre Beziehung tun können."

Markus Ernst

Markus Ernst ist Diplom-Psychologe, arbeitet als Coach bei der Online-Partneragentur Parship.de und hat eine eigene Praxis. Er verfügt über umfassende Kenntnisse in den Bereichen Partnersuche, Partnerwahl und Partnerschaft.

Die Männer-Antwort zur Fernbeziehung:

"Liebe Carina, ja, ich habe einen Tipp für Sie und Ihren Partner: Denken Sie ernsthaft darüber nach, demnächst zusammenzuziehen. Reden Sie darüber und füllen Sie den Gedanken mit Leben. Glauben Sie mir, die nächsten Monate auf Trennung werden nicht einfacher.

Möglich ist, dass Sie sich irgendwann an den Zustand der Fernbeziehung gewöhnen und an das damit verbundene Gefühl des Unglücklichseins in der Woche. Natürlich hat man tagsüber zu tun, einen Job, der einen ablenkt, und Freunde, die einen auf andere Gedanken bringen. Irgendwann aber haben beide Parteien Zweifel am Aufrechterhalten einer Fernbeziehung, wenn es nicht gelingt, daraus das Wort 'Fern-' zu streichen.

Denn wie soll eine solche Beziehung auch lange gutgehen? Irgendwann siegt die Sehnsucht - zumindest dann, wenn es beide Partner richtig erwischt hat.

Fernbeziehung für Frischverliebte ungeeignet?

Das ist doch auch ganz normal! Gerade in der Anfangszeit einer Beziehung nur die Wochenenden für sich zu haben und möglicherweise davon noch nicht mal jedes - das ist der blanke Horror und tut einer Beziehung nicht nur nicht gut, sondern bremst sie auch ungemein. Wie soll man sich denn kennenlernen, herausfinden, ob man miteinander funktioniert und sich gegenseitig im Alltag erleben? Den gibt es doch so in dieser Form der Beziehung ohnehin nicht.

Deshalb mein Rat: Reden sie miteinander darüber, für wen es unkomplizierter wäre, zum jeweils anderen zu ziehen. Wägen sie ab, seien sie ehrlich, zeigen sie Verständnis und seien sie mutig! Wenn klar ist, dass man in absehbarer Zeit zusammenleben könnte, die ersten Bewerbungen verschickt sind und Vorstellungsgespräche anstehen, lässt sich auch die übrige Phase der Fernbeziehung überstehen, weil man etwas hat, worauf sich beide freuen können."

Agent Dexter

Unser zweiter Berater ist online unter dem Pseudonym Agent Dexter unterwegs, 28 Jahre alt und studierter Germanist sowie Journalist. Er liebt Musik, Sport und gutes Essen und befasst sich im Auftrag von fem.com zum ersten Mal professionell mit Beziehungsfragen.

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7 Survival-Tipps für eine Fernbeziehung

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