Männer verstehen: Erziehung – "Er mischt sich ein"

Dienstag, 14.09.2010

In unserer Kolumne stellt eine Leserin eine Liebes-Frage - und erhält zwei Antworten: die eines Partnerschafts-Experten und die eines Mannes ohne psychologische Vorkenntnisse.


Thema heute:

"Er mischt sich in meine Erziehung ein"
Die Frage:
"Ich (36) bin alleinerziehend, weil der Vater meines Sohnes (6) im Ausland lebt und sich nie gekümmert hat. Nun habe ich seit einem Jahr einen neuen, sehr liebevollen Partner. Er ist so alt wie ich, kinderlos - und wir überlegen, in den nächsten Monaten zusammen zu ziehen.

Eigentlich versteht sich mein Freund ganz gut mit meinem Sohn, aber mir ist aufgefallen, dass er sich öfter in die Erziehung einmischt und mir Erziehungstipps gibt, wenn wir etwas zu dritt unternehmen oder das Wochenende zusammen verbringen.

Das nervt mich tierisch, denn schließlich bin ich die Mutter und weiß schon ganz gut, was mein Sohn braucht. Ich mag mir da nicht reinreden lassen. Das habe ich meinem Freund auch schon ein paar Mal gesagt, aber da war er jedes Mal sehr verletzt.

Nun habe ich Angst davor, was werden soll, wenn wir tatsächlich zusammenziehen. Wie können wir so zusammenleben, dass wir alle davon profitieren?" Nicole, 36, per E-Mail

Die Experten-Antwort:

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"Liebe Nicole, Patchwork-Familien liegen im Trend: Laut dem Bundesfamilienministerium leben aktuell schon sechs Prozent der Kinder unter 18 Jahren mit einem Stiefelternteil zusammen - Tendenz steigend. Neben allen Vorteilen, die diese Form des Zusammenlebens bietet, gibt es auch einige heikle Punkte. Einen der wichtigsten und schwierigsten haben Sie in Ihrer Mail angesprochen: Inwieweit darf und soll der neue Partner an der Erziehung der Kinder teilhaben?

Von allen Beteiligten, Ihrem Sohn, Ihnen selbst und Ihrem neuen Partner und Stiefpapa wird eine Menge verlangt: Das Verhältnis zum leiblichen Vater und Ex-Partner sollte geregelt sein, Ihr Sohn hat auf einmal zwei Papas, Sie sind gerade dabei, eine Beziehung aufzubauen und Ihr neuer Partner tritt in ein bestehendes 'Mutter-Kind-System' ein.

Dazu wird es noch eine Menge Erwartungen geben, denn jetzt soll ja alles gut werden. Erster Tipp: Haben Sie Geduld - Untersuchungen zeigen, dass es bis zu fünf Jahre dauern kann, bis sich eine Patchwork-Familie zusammengefunden hat.

Dass sich Ihr neuer Partner einbringen will, ist ja positiv, er scheint nur noch nicht das richtige Maß gefunden zu haben. Deshalb mein Tipp: Besprechen Sie, noch bevor sie beide zusammenziehen, diesen wichtigen Punkt. Welche Vorstellungen von Erziehung hat jeder von Ihnen, wo ist für Sie die Grenze, was ist ihm wichtig? Ihr Partner sollte sich in Erziehungsfragen anfangs eher zurückhalten, bis ein stabiles Vertrauensverhältnis zu Ihrem Sohn etabliert ist.

Sie schreiben, dass er sich gut mit Ihrem Sohn versteht - das ist die Grundvoraussetzung und eine gute Ausgangslage. Aber, wie bereits angesprochen, haben Sie Geduld. Ich wünsche Ihnen alles Gute!"

Markus Ernst

Markus Ernst, 40, ist Diplom-Psychologe, arbeitet als Coach bei der Online-Partneragentur Parship.de und hat eine eigene Praxis. Er verfügt  über umfassende Kenntnisse in den Bereichen Partnersuche, Partnerwahl und Partnerschaft.




Beziehungs-Mythen - Experten-Tipps – Gleich und gleich...



Die Männer-Antwort:
"Liebe Nicole, so schwierig finde ich Ihre Lage gar nicht. Ihr neuer Freund, der auch die Vaterrolle einnehmen wird, möchte mit entscheiden, was das Beste für Ihren Sohn ist. Dass Sie die Erzieherfunktion nicht gänzlich auf Ihren neuen Partner abwälzen wollen, ist natürlich verständlich. Aber Sie können sich auch nicht dagegen wehren, dass er bei gewissen Entscheidungen, die Ihr Kind betrifft, ein Mitspracherecht einfordert.
Auch wenn Ihr Sohn nicht sein Kind ist - er will sich um ihn kümmern. Und schon das allein ist doch lobenswert. Außerdem ist er Ihnen ein guter Partner, wie sie schreiben. Ich kann mir also nicht vorstellen, dass er seine Hilfe als 'Einmischen' versteht. Wenn er nicht nur Ihnen ein Freund, sondern auch Ihrem Sohn ein guter neuer Vater sein soll, dann müssen Sie akzeptieren, dass er die Rolle auch wahrnehmen will und muss.
Stellen Sie sich mal vor, wie es wäre, wenn er überhaupt kein Interesse für Ihren Sohn hätte. Das wäre meiner Meinung nach ein tatsächliches Problem.
Reden Sie also mit Ihrem Freund, machen Sie sich untereinander klar, was Ihr Sohn darf und was nicht, damit sie beide gegenüber Ihrem Sohn eine gemeinsame Linie vertreten. Viel Erfolg!" Agent Dexter

Unser zweiter Berater ist online unter dem Pseudonym Agent Dexter unterwegs, 28 Jahre alt und studierter Germanist sowie Journalist. Er liebt Musik, Sport und gutes Essen und befasst sich im Auftrag von fem.com zum ersten Mal professionell mit Beziehungsfragen.

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Foto: Miss X / photocase.com

Nicole (36) ist alleinerziehend und neu verliebt.

Nicole (36) ist alleinerziehend und neu verliebt. Inwieweit darf sich ihr neuer Freund in die Erziehung ihres kleinen Sohnes einmischen?

 

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Die 36-jährige Nicole ist alleinerziehend. Nun versucht ihr neuer Freund, in der Erziehung ihres Sohnes mitzumischen. Kann das gut gehen?
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14.09.2010 18:04
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