Männer verstehen: Alltags-Probleme – "Er ist unaufmerksamer"

Dienstag, 04.05.2010

In unserer Kolumne stellt eine Leserin eine Liebes-Frage - und erhält zwei Antworten: die eines Partnerschafts-Experten und die eines Mannes ohne psychologische Vorkenntnisse.
Thema heute: "Geht unsere Liebe am Alltag kaputt?"
Die Frage:
"Mein Freund (32) und ich (30) haben vor wenigen Monaten endlich unsere Fernbeziehung beenden können und sind zusammengezogen. Vorher waren wir schon gut ein Jahr auf Distanz zusammen. Keine Wochenendbeziehung zu haben, ist schön, aber dafür spüre ich schon jetzt, dass der Umgang miteinander irgendwie unaufmerksamer wird - und wir alltags kaum dazu kommen, richtige Gespräche zu führen. Dazu kommt, dass mein Freund sehr viel arbeiten muss und so der ganze Haushalt an mir hängen bleibt - obwohl ich auch einen Vollzeitjob habe. Ich habe den Eindruck, mein Freund registriert überhaupt nicht, wie viel Arbeit da anfällt. Ich habe schon versucht, mit ihm über diese Probleme zu reden, aber er nimmt sie nicht ernst. Was kann ich tun, um unsere Beziehung wieder in die richtige Richtung zu lenken. Ich möchte nicht, dass unsere Liebe im Alltag untergeht!" Marie, 30, per E-Mail

Die Experten-Antwort:

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"Liebe Marie, vielen Dank für Ihre E-Mail. Partner, die sich nach einer Fernbeziehung dazu entschließen, zusammenzuziehen, empfinden einander anfangs häufig als unaufmerksamer und weniger zugewandt. Die Erklärung ist relativ einfach: In Fernbeziehungen versuchen beide, die wenige Zeit, die sie gemeinsam haben, möglichst harmonisch zu gestalten. Dinge, die einen am anderen stören, werden eher nicht thematisiert, da man sich ja schon bald wieder verabschieden muss. Die Mühen und Schwierigkeiten des Alltags sind sowieso außen vor - man führt also eine Beziehung unter alltagsfernen Bedingungen.

Nach dem Zusammenziehen wird diese in Bezug auf Schwierigkeiten noch unerprobte Verbindung nun plötzlich mit viele neuen Gegebenheiten konfrontiert. Häufig fällt es gerade Männern schwer, sich mit der neuen Situation und Nähe zu arrangieren - die Folge ist nicht selten ein anfängliches Distanzstreben, welches nicht zwangsläufig mit geringerem Interesse an der Partnerin zu tun haben muss.

Daher sollten Sie sich und Ihrem Freund ein wenig mehr Zeit lassen, um sich in die neue, ungewohnte Situation einleben zu können. Gestatten Sie sich einander den Freiraum, den jeder für sich braucht - vereinbaren Sie aber auch feste 'Verabredungen', bei denen Sie Zeit füreinander haben.

Sie schreiben weiter, Ihr Freund entziehe sich der Tätigkeiten, die im nun gemeinsamen Haushalt anfallen. Oftmals wird hier das Rollenvorbild der eigenen Eltern unreflektiert kopiert, was das Verhalten natürlich nur erklären, nicht aber rechtfertigen soll.

Sprechen Sie ihn noch einmal darauf an, signalisieren Sie ihm klar und deutlich Ihre Wünsche. Hilfreich kann sein, die verschiedenen Aufgaben aufzuteilen, manchen Paaren hilft ein schriftlich fixierter Plan. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!"
Markus Ernst

Markus Ernst, 40, ist Diplom-Psychologe, arbeitet als Coach bei der Online-Partneragentur Parship.de und hat eine eigene Praxis. Er verfügt  über umfassende Kenntnisse in den Bereichen Partnersuche, Partnerwahl und Partnerschaft.

Beziehungs-Mythen - Experten-Tipps – Gleich und gleich...

Die Männer-Antwort:
"Liebe Marie, dass sich der Umgang untereinander ändern würde, sobald aus der Fernbeziehung eine 'normale' Beziehung wird, war Ihnen sicher klar. All die Sehnsucht, die man in einer Fernbeziehung für den anderen empfindet und die zugleich als Indikator für die Liebe steht, die man für den anderen fühlt, weicht plötzlich dem Monster 'Alltag'.

Dass man sich täglich sehen kann und nicht mehr allabendlich telefonieren muss, bringt es auch mit sich, dass sich die Gespräche verändern. Am Telefon geht man anders auf den Partner oder die Partnerin ein, weil diese Art der Fokussierung ohnehin nur auf das Gespräch beschränkt ist.

Wenn man sich nur am Wochenende sieht (und unter Umständen vielleicht nicht einmal jedes Wochenende), dann sind das meist Situationen, in denen der Alltag keinen Platz findet. Man genießt die gemeinsame Zeit und geht besonders liebevoll miteinander um, weil man sich nur zwei Tage lang unmittelbar erlebt. Ein Jahr lang hatten Sie diese Art der Beziehung und der so entstandene Umgang miteinander ist eben so auch ein besonderer gewesen.

Das soll jetzt aber nicht heißen, dass Ihr Freund Sie im Haushalt nicht unterstützen muss, Sie plötzlich links liegen lassen und seine Zuwendung Ihnen gegenüber von 100 auf vielleicht 50 Prozent reduzieren darf. Es gibt keinen Grund dafür - außer natürlich, seine Gefühle für Sie haben nachgelassen und die Beziehung hat den Sprung zur nächsten 'Stufe' nicht überlebt.

Was das betrifft, hilft wirklich nur ein Gespräch. Machen Sie Ihrem Freund klar, was Ihnen fehlt, wovor Sie sich fürchten und überlegen Sie gemeinsam, wie Sie diese Ängste aus der Welt schaffen können. Wenn er Sie liebt, wird er auch anfangen, die von Ihnen genannten Probleme ernst zu nehmen und mit Ihnen an Lösungen zu arbeiten."
Agent Dexter

Unser zweiter Berater ist online unter dem Pseudonym Agent Dexter unterwegs, 28 Jahre alt und studierter Germanist sowie Journalist. Er liebt Musik, Sport und gutes Essen und befasst sich im Auftrag von fem.com zum ersten Mal professionell mit Beziehungsfragen.

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Aus einer Wochenendbeziehung zusammen zu ziehen bringt manchmal Probleme mit sich, die man so nicht erwartet hat. Das erlebt auch die 30-jährige Marie.

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04.05.2010 17:52
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