Männer verstehen: Affäre mit Kollegen – "Er verlässt sie nicht"

Dienstag, 13.07.2010

In unserer Kolumne stellt eine Leserin eine Liebes-Frage - und erhält zwei Antworten: die eines Partnerschafts-Experten und die eines Mannes ohne psychologische Vorkenntnisse.
Thema heute:
"Will er sie gar nicht verlassen?"
Die Frage:
"Ich bin 19 und habe seit dreieinhalb Jahren eine Affäre mit meinem Arbeitskollegen. Er ist verheiratet, hat einen kleinen Sohn und lebt mit seiner Frau zusammen. Ich habe ihn in meiner Ausbildungszeit kennengelernt und noch heute sind die Stunden mit ihm, die schönsten, die ich erlebe.
Ich weiß genau, dass mir der Mann, den ich liebe, nur halb gehört. Ich blühe auf, wenn ich mit ihm zusammen bin und leide, wenn er nicht in meiner Nähe ist. Ich bin die, die immer wartet. Wir telefonieren fast täglich, aber immer nur, wenn er anruft. Seine Frau weiß von unserer Affäre, sie betrügt ihn auch mit seinem besten Freund. Gerade deswegen verstehe ich das alles nicht. Sollte man nicht aus Liebe heiraten statt wegen einer Schwangerschaft?

Wenn wir uns nach langer Zeit endlich sehen können, passiert dies immer in ausgeklügelten Verstecken. Diese Achterbahnfahrt der Gefühle strengt mich an und macht mir oft schlechte Laune. Ich habe ihm schon zahlreiche Male gesagt, dass ich das nicht länger durchhalte und eine Entscheidung von ihm will. Wenn es doch so ist, wie er es mir ständig sagt, dass er mich liebt und seine Frau nicht mehr, dass er nur noch mit ihr wegen dem Kleinen zusammen ist - dann wäre es für den Kleinen doch besser, wenn sie sich trennen würden.

Doch er hat immer wieder andere Ausreden, warum er seine Frau genau jetzt nicht alleine lassen kann. Nun bin ich an dem Punkt angelangt, wo ich so nicht mehr weitermachen möchte. Ich will nicht, dass mir noch länger Hoffnungen gemacht werden. Von Tag zu Tag hasse ich seine Frau mehr, da er an Tagen wie meinem Geburtstag oder Weihnachten bei ihr ist und ich ihn so vermisse. Ich liebe ihn, aber ich möchte nun auch mal die Hauptrolle in seinem Leben spielen, mit ihm zusammen leben, ihn täglich sehen... Was soll ich tun?“
Tanja, 19, per E-Mail

Die Experten-Antwort:

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"Liebe Tanja, die Rolle der Geliebten bringt eine doppelte Isolation mit sich, denn sowohl innerhalb der Beziehung als auch gesellschaftlich verkörpert sie ein Tabu. Auch deshalb führen Affären erfahrungsgemäß nur sehr selten zu einer Entscheidung für die Geliebte.

Sie schreiben, dass Sie letztlich unter dem permanenten Wechsel zwischen Sehnsucht, Zweifel und Hoffnung leiden. Viele andere Frauen in entsprechenden Situationen berichten, dass diese "Liebe auf Abruf", das ständige Warten und Hoffen anfangs seinen Reiz gehabt habe: Man ist eigenständig und die Beziehung ist etwas ganz Exklusives, Geheimnisvolles. Mit fortlaufender Zeit wird dieser Zustand aber mehr und mehr als zermürbend und unbefriedigend wahrgenommen.

Sie sagen es ja schon selbst ganz deutlich: Sie sind jetzt an einem Punkt angekommen, an dem Sie so nicht mehr weitermachen wollen. Und dass Sie das spüren, zeigt auch, dass Ihre Selbstschutzmechanismen funktionieren. Das ist gut.

Ich rate Ihnen Folgendes: Überlegen Sie sich alleine ganz genau, was Sie von einer Beziehung mit ihm erwarten würden. Vielleicht hilft es Ihnen auch, die Punkte aufzuschreiben. Danach teilen Sie ihm Ihre Gedanken und Gefühle in einem Gespräch noch einmal konkret mit. Anschließend soll er sich für oder gegen Sie entscheiden - und Sie müssen sich auch entscheiden.

Ein weiteres Verharren in der Rolle der Geliebten wird Sie nicht glücklich machen, das scheint eindeutig. Ich wünsche Ihnen alles Gute."
Markus Ernst

Markus Ernst, 40, ist Diplom-Psychologe, arbeitet als Coach bei der Online-Partneragentur Parship.de und hat eine eigene Praxis. Er verfügt  über umfassende Kenntnisse in den Bereichen Partnersuche, Partnerwahl und Partnerschaft.

Beziehungs-Mythen - Experten-Tipps – Gleich und gleich...

Die Männer-Antwort:
"Hallo Tanja, ich weiß gar nicht, ob ich Ihnen noch helfen muss. Sie haben Ihr Problem dargelegt und sich alle wichtigen Lösungsansätze dafür selbst gegeben: Sie haben Ihrer Affäre gesagt, was Sie für ihn empfinden und gesagt, dass Sie sich wünschen, dass das Versteckspiel ein Ende hat und Sie eine offene und ehrliche Beziehung führen.

Die Frau ihrer Affäre betrügt ihren Ehemann mit einem anderen Mann (dass es noch dazu der besten Freund ist, hat schon Daily-Soap-Niveau) und eigentlich gibt es keinen Grund mehr, dass die beiden zusammen bleiben. Denn ganz sicher wird auch der gemeinsame Sohn unter dieser verlogenen Beziehung leiden. Immerhin ist bekannt, dass Kinder viel mehr mitkriegen, als wir Erwachsenen ihnen zutrauen.

Setzen Sie Ihrem Arbeitskollegen ein letztes Ultimatum (nach einer dreineinhalb Jahre andauernden Affäre haben Sie alles Recht der Welt dazu!), sprechen Sie noch einmal alles an, erklären Sie ihm, dass der gemeinsame Sohn nicht der einzige Grund sein sollte, diese Scheinbeziehung aufrecht zu erhalten. Wenn Ihre Affäre nicht versteht, dass diese seltsame Lüge ohnehin auf Dauer nicht funktionieren wird und dass er Sie mit seinen Spielchen sehr verletzt, dann trennen Sie sich besser von ihm. Lassen Sie hinter sich, was Sie kaputtmacht. Und wenn es noch so abgedroschen klingt: Sie haben Besseres verdient!"
Agent Dexter

Unser zweiter Berater ist online unter dem Pseudonym Agent Dexter unterwegs, 28 Jahre alt und studierter Germanist sowie Journalist. Er liebt Musik, Sport und gutes Essen und befasst sich im Auftrag von fem.com zum ersten Mal professionell mit Beziehungsfragen.

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Die 19-jährige Tanja ist unglücklich, weil ihr Freund sich nicht von seiner Frau trennen möchte. Was kann sie tun.

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13.07.2010 14:07
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