Kollegen-Liebe: Job-Beratung – Achtung, Büro-Romanze!

Mittwoch, 16.06.2010

Wenn Kollegen miteinander anbandeln, dann ist das nie folgenlos. Der Psychologe Albert J. Bernstein über den Büro-Balztanz und woran man ihn rechtzeitig erkennt. 

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In seinem Buch "Bin ich denn der einzige Normale hier" (Redline, 19,90 Euro, bestellbar z.B. über www.amazon.de) präsentiert der Psychologe Albert J. Bernstein 101 Lösungen, wie man mit vertrackten Situationen im Büro klar kommt.

fem.com präsentiert zehn dieser Lösungen in der neuen Serie "Büro-Wahnsinn".

Teil 8: Eine Affäre zwischen Kollegen

DAS SZENARIO 
Nicht in Ihren wildesten Träumen haben Sie eine Affäre beabsichtigt. Irgendwie hat eins zum anderen geführt, und es ist einfach passiert. Es begann mit einer Umarmung nach einer besonders stressigen Woche; daraus wurde ein Kuss, und von da an ging es weiter.

Da Sie beide in einer festen Beziehung stecken, müssen Sie jetzt ein paar schwierige Fragen beantworten. Und dann ist da noch die große Frage, welche Auswirkungen es auf die Arbeitssituation im Büro haben wird. Vielleicht muss einer von Ihnen beiden gehen. Normalerweise sind Sie ein so vernünftiger Mensch. Wie sind Sie nur in etwas Derartiges hineingeraten?

Eine Büroromanze kann eine wunderbare, schöne Sache sein - oder sie kann Ihre Karriere und Ihr Leben zerstören. Es ist erstaunlich, dass etwas so Bedeutsames fast immer versehentlich passiert. Die beteiligten Personen legen es nur selten auf Affären (oder Beschwerden über sexuelle Belästigung) an; sie passieren einfach, oder jedenfalls fühlt es sich so an. Wie es sich anfühlt, ist nicht unbedingt, wie es ist.

Das Balzverhalten der Menschen folgt, wie bei den meisten anderen Spezies, vorhersagbaren und leicht erkennbaren Mustern. Es ist ein in unsere Gehirne eingebrannter Tanz. Bewusste Gedanken sind nicht nötig; ein Schritt führt zum nächsten. Die meisten Jugendlichen in der Mittelstufe kennen diese Tanzschritte und hänseln bereitwillig ihre Altersgenossen, die sie ausführen. Die Menschen in den Büros mögen denselben Tanz aufführen, denken aber irgendwie, dass es nur eine "bedeutsame Geschäftsbeziehung" ist und nicht das Geringste mit Sex oder dergleichen zu tun hat. Bis es zu spät ist.

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DIE LÖSUNG

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Ich habe das Gefühl, dass ich Sie warnen sollte, bevor ich fortfahre. Kein anderes Thema, über das ich geschrieben oder gesprochen habe, hat so viel negative Resonanz hervorgerufen, wie das, was Sie jetzt lesen werden. Die Leute werden wütend auf mich, wenn ich darauf hinweise, dass die harmlosen Freundschaften, die Ihnen so viel bedeuten, im Kern sexueller Natur sind.

Sie müssen dann eine schwierige Entscheidung treffen: Da Sie sich nun des Wesens der Beziehung bewusst sind, beenden Sie diese oder führen sie fort oder tun so, als ob ich nicht wüsste, wovon ich spreche. Die meisten entscheiden sich für Nummer drei, oft mit beachtlicher Feindseligkeit.

Es folgen nun die Schritte des Büro-Balztanzes. Lesen Sie weiter, wenn Sie sicher sind, dass Sie sich beherrschen können.
Wahrnehmung. Das Verhaltensmuster beginnt damit, die andere Person als etwas Anderes oder Besonderes zu betrachten. Es muss nicht unbedingt sexuelle Anziehung sein, aber eine Anziehung ist da.

Sichtbarmachung. Sie bemerken die andere Person und möchten nun von ihr bemerkt werden. Vögel tun das mit bunten Federn und lustigen Tänzen. Im Büro geschieht es eher in Form einfühlsamer Fragen, geistreicher Bemerkungen, sorgfältig zusammengestellter Garderobe oder neuer Kleidung, die betont, dass es jemandem endlich gelungen ist, sich die überschüssigen fünf Pfund herunterzuschwitzen.

"Zufällige" Begegnungen. Es tauchen Gründe auf, an Orten zu erscheinen, wo sich eine bestimmte Person befindet - so wie das plötzliche Auftreten eines alles übersteigenden Interesses an einem Teil des Unternehmens, der bislang nicht besonders wichtig war. (Sie erklärt Marketing einfach so gut.)

Geplante Treffen, Anrufe und Textnachrichten. Auf einmal erfordert die Arbeit eine enge Arbeitsbeziehung. Zunächst werden gemeinsame Projekte im Büro besprochen; später übers Handy, in Restaurants oder bei einem Spaziergang in der Mittagspause an einem wunderschönen Frühlingstag. In diesem Stadium schweift die Unterhaltung von der Arbeit zu persönlicheren Themen ab. Für die meisten Menschen ist an diesem Punkt das Verständnis und die Tatsache, dass ihnen jemand zuhört, weit verführerischer als reiner Sex.

Neckerei. Jungs in der vierten Klasse jagen und hauen die Mädchen, die ihnen gefallen. Erwachsene im Büro signalisieren mit Frotzelei, Scherzen und gespielter Aggression ihr Interesse. Es ist, als ob auf einmal Katharine Hepburn und Spencer Tracy in der Buchhaltung auftauchen. Dieses Stadium ist gefährlich, wenn die Aufmerksamkeit unerwünscht ist. Retourkutschen, Lachen über Witze und alles außer Wegrennen und Schreien wird als Zeichen gegenseitigen Interesses gedeutet. Die Grenze zwischen Höflichkeit und Ermutigung ist so dünn, dass es möglicherweise einer Jury bedarf, um zu bestimmen, ob sie überhaupt existiert.

Wenn Sie mit unerwünschter humoriger Aufmerksamkeit überschüttet werden, besprechen Sie das unverzüglich mit einem Vorgesetzten. Die fehlende Einsicht in das Wesen dieses Stadiums ist die Ursache vieler Beschwerden über sexuelle Belästigung.

Geschenke. In der Tierwelt ist es ein frisch erlegtes Eichhörnchen. Im Büro ist es eine witzige Grußkarte, eine Haftnotiz mit besten Glückwünschen für den Tag der großen Präsentation oder irgendetwas aus dem Geschäft im Erdgeschoss mit den Ballons, Bären und anderem Nippes.

Berührung. Nackenmassage gefällig? Jetzt ist es soweit, dass die Sache offen sexuell wird. Wenn Sie das nicht glauben, fragen Sie sich, was Sie davon hielten, wenn jemand Ihrem Ehepartner den Nacken massierte.

Vertrauen. In diesem Stadium fangen die Leute an zu glauben, dass sie sich gegenseitig alles erzählen können und tun das auch. Die bei Weitem häufigste Form, in der sich unbeabsichtigter Sexualkontakt anbahnt, ist eine innige Umarmung, um jemanden zu trösten, der eine schwierige Zeit durchmacht.

Dies sind die Schritte - halten Sie davon, was Sie wollen. Ich befürchte, dass dieses Szenario bei einigen Leuten das Gefühl auslösen wird, dass ich etwas Schönes und Reines durch den Schmutz gezogen habe.

Ich weiß, dass es Momente gibt, in denen alle die Interaktionen, über die ich hier geschrieben habe, vorkommen können und nichts bedeuten. Ich weiß auch, dass es Büroromanzen gibt, die wunderbar funktionieren.

Ich versichere Ihnen, dass ich die Liebe nicht im Geringsten zynisch betrachte. Ich glaube lediglich, dass sie viel zu wichtig ist, um sie mit Autopilot anzusteuern.

Albert J. Bernstein, PhD, ist selbstständiger Psychologe, Bestsellerautor und Experte im Bereich der Konfliktlösung.

Mehr Infos: www.redline-verlag.de

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