Hochzeit: Bräuche und Traditionen – Traditional Wedding

Mittwoch, 10.07.2013

Heiraten mit Schleier? Blumenkinder oder nicht? Darf der Mann das Brautkleid mit aussuchen? Fragen über Fragen. fem.com verrät alles über die wichtigsten Hochzeits-Bräuche.

1. Polterabend

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Was steckt dahinter? Scherben bringen Glück – auch dem angehenden Hochzeitspaar. Absolutes No-Go sind allerdings Glas und Spiegel. Weiterer Hintergrund des Polterns: Der Krach soll böse Geister vertreiben. Das gemeinsame Auffegen der Scherben steht für das Meistern schwieriger Aufgaben und Lebensphasen in der Ehe.

Was genau passiert da? Der Polterabend wird kurz vor der Hochzeit gefeiert – und bei dieser Party geht jede Menge Geschirr zu Bruch. Ort des Geschehens ist traditionell das Haus der Braut bzw. das ihrer Eltern. Wenn alles Porzellan zertrümmert ist, muss das zukünftige Ehepaar den Haufen gemeinsam beseitigen. Nicht verwechselt werden sollte der Polterabend mit dem Junggesellenabschied.  

Wie aktuell ist das noch? (Wieder) ziemlich aktuell. Sehr viele Hochzeitspaare legen großen Wert auf den Polterabend. Immer häufiger werden aber auch Hochzeitsfeier und Polterabend zusammen gelegt – heißt: nach der Trauung wird lautstark Geschirr zertrümmert.

Video: Tipps für die Hochzeitsnacht

2. Brautjungfern

Was genau passiert da? Ein Tross unverheirateter Frauen begleitet die Braut in die Kirche. Alle tragen schöne Kleider, die dem Hochzeitskleid ein wenig ähneln.

Was steckt dahinter? Die Brautjungfern sollen böse Geister von der Braut fernhalten. Deshalb auch die sich ähnelnden Kleider – so ist die Braut sicher versteckt... 

Wie aktuell ist das noch? In den USA sind bei fast jeder größeren Hochzeit Brautjungfern zugegen, hierzulande ist der Brauch nicht ganz so stark verbreitet. Durch die Kleider entstehen schließlich hohe Zusatzkosten. Ob verheiratet oder nicht: Es soll viele Frauen geben, die sich über die Ernennung zur Brautjungfer freuen würden...

3. Reis werfen

Was genau passiert da? Dieses Bild kennt jeder aus Hollywood-Filmen: Wenn das Brautpaar aus dem Standesamt oder aus der Kirche kommt, wird es von seinen Gästen mit einem Regen aus Reiskörnern empfangen.

Was steckt dahinter? Die Reiskörner symbolisieren nach uralter Überlieferung Fruchtbarkeit. Schließlich sollen die frisch Vermählten möglichst viele Kinder in die Welt setzen.

Wie aktuell ist das noch? Das Reiswerfen ist noch immer ein üblicher Brauch. Allerdings ist er mittlerweile an vielen Orten (besonders an solchen mit Kopfsteinpflaster) verboten, weil es so schwierig ist, den Reis wieder zu entfernen. Eine schöne Alternative ist das Pusten von Seifenblasen.

4. Hochzeitskleid erst nach dem Antrag kaufen

Was genau passiert da? Ganz einfach: Ohne konkreten Anlass sollte frau nicht losziehen und nach einem Hochzeitskleid Ausschau halten.

Was steckt dahinter? Angeblich bringt es Unglück, voreilig – das heißt, vor dem offiziellen Heiratsantrag – ein Brautkleid zu kaufen. Nicole Kidman soll dies vor ihrer ersten Hochzeit mit Tom Cruise getan haben. Die Ehe wurde nach zehn Jahren geschieden und Kidman war am Boden zerstört. Die zweite Hochzeit der Schauspielerin mit Sänger Keith Urban stand so gesehen wohl unter einem besseren Stern...

Wie aktuell ist das noch? Aberglaube beiseite: Ist es nicht auch rein rational vernünftiger, sich ein teures Brautkleid erst dann zu kaufen, wenn man es wirklich braucht? In drei Jahren sind Mode und Figur vielleicht schon wieder anders – oder Ihr Geschmack hat sich ganz einfach verändert.

5. Brautstrauß werfen

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Was genau passiert da? Nach der Trauung wirft die Braut ihren (traditionell vom Ehemann besorgten) Brautstrauß rückwärts in eine Menge lediger Frauen.

Was steckt dahinter? Der Strauß ist eine Art Liebesorakel: Die Frau, die ihn auffängt, heiratet angeblich als nächste. Und wussten Sie, dass Brautsträuße früher reine Duftsträuße waren, die die Braut vor Ohnmachtsanfällen schützen sollten?

Wie aktuell ist das noch? Dass die glückliche Fängerin tatsächlich bald auch vorm Altar stehen wird, glaubt heute keiner mehr. Sehr viele Paare nutzen den Brauch aber als nette Spielerei. Die Braut wirft dann meist ihren "Zweitstrauß" in die Menge, damit sie das Original als Erinnerung aufheben kann.

6. Blumenkinder

Was genau passiert da? Kinder in niedlichen Kleidchen streuen aus einem Korb Blumen und Blütenblätter vor dem Brautpaar, wenn dieses aus Standesamt oder Kirche schreitet.

Was steckt dahinter? Ein uralter heidnischer Brauch, der dem Hochzeitspaar zu einem Kindersegen verhelfen soll: Der süße Geruch der Blüten lockt der Legende nach Fruchtbarkeitsgöttinnen an.

Wie aktuell ist das noch? Weil das Blumenstreuen so eine schöne Sitte ist und die kleinen Gäste meist sehr stolz ihr Amt ausüben, entscheiden sich viele Brautpaare auch heute noch dafür. Auf rein standesamtlichen Hochzeiten wird der Brauch allerdings nicht mehr so häufig angewendet. Ähnlich wie beim Reiswerfen sollten Sie vorher abklären, wer sich um die Reinigung bzw. das Beseitigen der Blüten kümmert.

7. Brautschleier

Was genau passiert da: Die Braut heiratet in Weiß und mit einem Schleier über dem Kopf. Bei der anschließenden Party wird dieser meist abgenommen.

Was steckt dahinter? Der Schleier und das weiße Kleid waren früher Zeichen dafür, dass die Braut unberührt in die Ehe ging. Um Mitternacht wurde der Schleier abgenommen – die Braut war jetzt Ehefrau.

Wie aktuell ist das noch? Weil heute kaum noch Frauen als Jungfrauen heiraten, hat der Brauch an Symbolkraft verloren. Einige Bräute geben ihrem Partner dennoch mit Schleier auf dem Kopf das Ja-Wort – einfach, weil's schön aussieht. Blumenschmuck, Tiaras und andere Accessoires im Haar haben diesem Kopfschmuck aber mittlerweile den Rang abgelaufen.

8. Dosenkette am Auto

Was genau passiert da? Am dekorierten Hochzeitsauto werden hinten leere Blechdosen befestigt, die beim Fahren mit einem lauten Scheppern ankündigen, dass ein frischgebackenes Ehepaar unterwegs ist.

Was steckt dahinter? Auch hier sind die bösen Geister im Spiel: Sollte der Polterabend sie noch nicht vollends vertrieben haben, so tun es die laut klappernden Dosen...

Wie aktuell ist das noch? Im Gegensatz zu den weißen Fähnchen, die man sehr häufig an den Auto-Antennen von Hochzeitsgästen und Brautpaaren sieht, ist das Dosenscheppern nicht mehr besonders stark verbreitet. Vielleicht, weil es die übrigen Verkehrsteilnehmer irritiert?

9. Hochzeitskleid ohne den Partner kaufen

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Was genau passiert da? Die zukünftige Braut geht mit ihrer Mutter, Schwester, Freundin oder einer anderen Begleitung ihr Hochzeitskleid kaufen – der Bräutigam darf es erst in der Kirche (bzw. im Standesamt) sehen.

Was steckt dahinter? Das weiß man nicht so genau. Fest steht: Diesen Brauch gibt es schon sehr lange – dem Zukünftigen das Kleid bereits vor der Heirat vorzuführen, soll Unglück bringen. Und: Die Geheimnistuerei birgt natürlich einen tollen Überraschungseffekt. 

Wie aktuell ist das noch? Mittlerweile gehen viele Paare auch gemeinsam ihre Hochzeits-Outfits kaufen. Schließlich sollen diese ja zueinander passen. Letztendlich entscheidet heute jeder aus freien Stücken, ob das Brautkleid geheim bleiben soll oder nicht. Was das Budget und den Stil angeht, sollte man sich übrigens bei beiden Kauf-Varianten einig sein.

10. Brautschuhe mit Centstücken bezahlen

Was genau passiert da? Die Braut spart sich über Jahre hinweg aus Kleingeld die Summe für ihre Hochzeits-Schuhe zusammen.

Was steckt dahinter? Arme Leute mussten früher sehr zeitig damit beginnen, für die Aussteuer ihrer Töchter zu sparen. Die Mädchen selbst fingen schon in der Schulzeit an, Geld für ihren späteren Haushalt zurückzulegen. Und eine sparsame Ehefrau war etwas, worauf die Männer großen Wert legten. 

Wie aktuell ist das noch? Naja, die ganze Angelegenheit ist ziemlich mühsam und auch der Einkauf selbst dürfte mit ein paar Kilos Kleingeld in der Handtasche schnell beschwerlich werden... Ganz ausgestorben ist der Brauch aber bis heute nicht – auch wenn die Braut von heute dank Euro nur noch die Hälfte des Gewichts zum Schuhgeschäft tragen muss.

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10.07.2013 17:21
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