G-Spot der Frau: Gibt's nicht!

Freitag, 05.02.2010

Licht an, Spot aus. Nach 60 Jahren vergeblicher Suche kommt eine britische Studie zu dem Schluss, dass der G-Spot nicht existiert. Ein Ende der Debatte um den weiblichen Lustknopf ist trotzdem nicht in Sicht.

1950 meinte der deutsche Gynäkologe Ernst Gräfenberg, eine bohnenförmige Verdickung in der Vagina entdeckt zu haben, die - wenn sie stimuliert wird - zu heftiger Erregung und zu einem besonders starken Orgasmus führt. Diese daraufhin als Gräfenberg-Punkt oder G-Spot bezeichnete Zone erregte vor allem Anfang der 80er-Jahre die Fantasie.

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Frauen, die ihn besäßen, seien zu besonderem Lustempfinden in der Lage, so die populäre Meinung. Daraufhin machten sich mehrere Generationen von Frauen - und Männern - auf die Suche nach dem kleinen Hügel im oberen vorderen Drittel der Vagina.

Der G-Spot war schon immer umstritten

Als sexuell beeinträchtigt empfanden sich Frauen, die ihn partout nicht finden konnten. Manche ließen sich die vermeintlich unterentwickelte Zone per plastischer Chirurgie aufpolstern. Doch Zweifel an der Existenz des Punktes gab es immer schon. Denn es fehlte ein eindeutiger anatomischer Beweis für die erogene Zone im Innern der Vagina.

Studie mit Zwillingen zum Thema G-Spot

Möglicherweise hat eine aktuelle Studie des Londoner King's College der Legende nun den finalen Dolchstoß zugefügt. Ein Team um die Sexual-Forscherin Andrea Burri befragte rund 1.800 Frauen zwischen 23 und 83 Jahren, ob sie glauben, eine G-Spot zu besitzen oder nicht. Der Trick dabei: Alle Studienteilnehmerinnen waren Zwillinge, entweder eineiige oder zweieiige. Da bislang noch jede anatomische und physiologische Struktur eine genetische Basis hat, sollte das auch beim G-Spot der Fall sein. Wenn er tatsächlich existierte, müssten eineiige Zwillinge häufiger einstimmig berichten, ihn zu besitzen bzw. ihn nicht zu besitzen. Dafür fanden die britischen Wissenschaftler in ihren Daten jedoch keinerlei Hinweise.

Keine körperliche Grundlagen deuten auf den G-Spot hin

Zwar gaben 56 Prozent der Befragten an, dass sie einen G-Spot hätten, doch fand sich dabei keine verdächtige Häufung bei eineiigen Geschwistern. "Es gibt keine körperliche Grundlage für den G-Spot", lautet daher das ernüchternde Fazit von Andrea Burri und Kollegen. "Dieses Ergebnis hat eine große Bedeutung für die sexuelle Aufklärung - sowohl in der Schule als auch in der Behandlung sexueller Probleme", erklärt Burri. "Frauen, die nicht allein durch eine vaginale Penetration einen Orgasmus bekommen, werden sich nicht mehr als stigmatisiert und unzureichend empfinden."

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Aber die Debatte um den G-Spot ist viel zu erhitzt, als dass sie durch eine Studie beendet werden könnte. Kaum war die Nachricht vom eingebildeten G-Spot in der Online-Ausgabe der britischen Sunday Times, hagelte es Kommentare. "Ich habe schon G-Spots bei Frauen gefunden, bevor sie ihn fanden", brüstet sich ein Leser. "Ich habe nicht nur einen, sondern drei G-Spots", postet die nächste Leserin.

Thunkspot statt G-Spot?

Eine kommentierende Wissenschaftlerin definiert gleich einen weiteren erogenen Fleck auf der vaginalen Landkarte, den "Thunkspot" (Thunk = Ton eines Basketballs, wenn er auf dem Boden aufschlägt). Wo auch immer dieser Thunkspot liegen mag, eines ist sicher: Die Legende vom G-Spot ist nicht so schnell zu bezwingen. Die Fachzeitschrift "Journal of Sex Medicine", in der Burris Beitrag veröffentlicht wurde, hat jedenfalls schon angekündigt, die Reaktionen in Kürze als Pro- und Contra-Debatte zu veröffentlichen.

Schon vom Vomeronasalorgan gehört?

Der G-Spot ist übrigens nicht der einzige Punkt, über dessen Existenz sich Legenden ranken. Ende des 20. Jahrhunderts meinten Wissenschaftler, in der menschlichen Nase ein Organ ausgemacht zu haben, dass bevorzugt auf Sexlockstoffe - also Pheromone - anspricht: das Vomeronasalorgan.

Ob es aber tatsächlich existiert, funktioniert und warum es manche haben sollen oder andere nicht, ist nach wie vor umstritten. Wahrscheinlich besitzen wir kein solches Organ. Aber die Vorstellung von Sex-Knöpfen und Sex-Sinnen ist einfach zu schön, um sie ad acta zu legen.

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Burri A. et al. Genetic and Environmental Influences on self-reported G-Spots in Women: A Twin Study J Sex Med. Januar 2010 Early View.

Dr. Fabienne Hübener
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