Face-to-face-Date: Die neue Art des Speed-Dating

Freitag, 08.08.2014 Ina Zachas

Eine Stadt, drei Bars und 55 erwartungsvolle Singles. Das sind die Zutaten, die mich beim face-to-face Date erwarten. Werde ich hier entgegen meiner Erwartungen die große Liebe finden? Für Sie habe ich das neue Dating-Konzept getestet.

Fem-Redakteurin Ina Zachas

Fem-Reporterin Ina Zachas hat das Face-to-Face-Date in München getestet.

Stumpf dröhnt die Musik durch den roten Samtvorhang am Eingang nach draußen. Ich lehne mit Tom an einem Absperrgeländer vor dem Club „Exzess“ in der Münchner Innenstadt. Nach Exzess sieht dieser Ort leider tatsächlich aus. Tom lächelt mich süffisant durch seine Nerd-Brille an, als er merkt, dass dicht neben uns ein Pärchen wild knutscht. Sein fliederfarbenes Shirt mit dem weiten Ausschnitt unter dem Sakko macht einen leicht femininen Eindruck.

Das Konzept des Face-to-Face Dates

Eigentlich hätte ein solcher Typ in einem solchen Club kein bisschen mein Interesse geweckt. Hätte. Warum wir nun trotzdem zusammen hier stehen? Wir haben vorher an einem Face-to-Face Date teilgenommen und uns dabei näher kennengelernt. Und ich muss zugeben: Er hat mich doch neugierig gemacht. Das Prinzip dieser Dating-Variante ist simpel und doch genial: Mit einem Partner, den Sie mitbringen oder sich zuteilen lassen, gehen Sie gemeinsam in drei verschiedene Bars und lernen dort jeweils zwei weitere angemeldete Paare kennen.

Face-to-Face wird mittlerweile in über 30 Städten in Deutschland einmal monatlich

organisiert. Der Erfinder dieses jungen Konzepts, Rico Hetzschold, sagt, dass er selbst seine Traumfrau bei einem seiner Face-to-Face-Dates gefunden hat. Er habe mit seiner Idee eine lockere Alternative zu Online- und Speed-Dating schaffen wollen: "Face-to-face gleicht einem Treffen unter Freunden. Es gibt keine unangenehmen Eins-zu-eins-Situationen und man kann seine beste Freundin oder seinen besten Freund mitnehmen."

Runde eins bei Face-to-Face

Ich hingegen hatte mich für eine Partnerzuweisung entschieden und bin nun doch recht nervös. Ich habe Angst vor peinlichem Schweigen und frage mich, welche Leute außer mir überhaupt an so einem Face-to-Face Date teilnehmen. Ein etwas kräftiger junger Mann schüttelt freundlich meine Hand. Er heißt Patrick, hat braune Augen, eine geheimnisvolle kleine Narbe auf der linken Wange und ist mein Partner für diesen Abend. Optisch ist er nicht mein Fall, aber er erweist sich durch seine humorvolle und lockere Art als guter Teampartner für den Abend.

Neben einem weiblichen Duo, von dem die eine höchstwahrscheinlich nur auf Drängen der zweiten mitgekommen ist, und einem Typen, der in seiner Freizeit laut eigener Aussage am liebsten „zockt“, gibt es noch Jürgen. Als er zu Beginn des Dates ein enthusiastisches Gespräch mit mir anfängt, bin ich positiv gestimmt. Er erzählt von seiner Arbeit, reist viel und treibt Sport. Doch das ist noch nicht alles: Er besucht in seiner Freizeit Seminare über Kommunikation, treibt noch mehr Sport und lernt nebenbei Chinesisch. Und überhaupt erzählt Jürgen während des Face-to-Face Dates gerne von seinem Leben und kennt sich auch mit allen Themen bestens aus. Als er auch noch anfängt meine Karriere durchzuplanen, frage ich mich, ob meine schwindende Konzentration an meinem langen Arbeitstag oder doch an seinem Rededrang liegt.

Erst Face-to-Face, dann PC-to-PC

Die drei Date-Runden vergehen schnell und ich lerne viele Persönlichkeiten unterschiedlichen Alters kennen. Manche passen mehr, manche weniger zu mir. Dennoch sind alle auf ihre eigene Art interessant und jedes einzelne Gespräch lohnt sich, da alle Beteiligten die Lust verbindet, neue Leute kennenzulernen. Am nächsten Tag werde ich online mit meinem Face-to-Face Account abstimmen, welche Teilnehmer ich wieder sehen möchte. Wenn meine Auserwählten ebenfalls mein Bild anklicken, kann ich meine Handynummer übermitteln oder es wird ein weiteres Date nur für uns zwei organisiert. Die Quote derer, die sich in ganz Deutschland bislang gegenseitig angekreuzt haben, liegt bei 12 Prozent. Allerdings wurde bei den inzwischen fast 6000 Teilnehmern der über 150 stattgefundenen Dates sicher die eine oder andere Nummer auch privat ausgetauscht.

Auf Tom traf ich in der zweiten Date-Runde. Er ist mir im Gespräch aufgefallen – sehr von sich überzeugt, aber auch interessiert an den Anderen. Beim finalen Treffen aller Teilnehmer in der vierten Bar beschließen wir, mit ein paar Gleichgesinnten noch in das „Exzess“ weiterzuziehen. Und da stehen wir nun und warten auf den Einlass. Als er sich nach unserem Flirt von mir verabschiedet, tauschen wir trotz eines intensiven Blicks keine Handynummern. Doch wir wissen beide, dass noch das Online-Voting auf uns wartet.

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Face-to-Face-Date für die große Liebe? Unsere fem-Reporterin hat den Versuch gewagt.

Ein Face-to-Face-Date kennt keine Altersgrenzen. Die Spanne der bisherigen Teilnehmer reicht von 19 bis 57 Jahre. Bei jeder Gruppe eines Dates achten die Organisatoren darauf, dass die Leute ungefähr im gleichen Alter sind.

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