Deutschland wird schwanger – "Helft ruhig nach!"

Freitag, 30.10.2009

Auf fem.com plaudert Britt Hagedorn, Moderatorin der neuen Sat.1-Doku "Deutschland wird schwanger", über aufregende Stunden im Kreißsaal und künstliche Befruchtungen. 

Am Montag, 2. November, um 20.15 Uhr geht Sat.1 mit der neuen Dokusoap "Deutschland wird schwanger", kurz "DWS", auf Sendung. Moderatorin Britt Hagedorn, 37, hat dafür elf Monate lang 100 Paare mit Kinderwunsch durch die Höhen und Tiefen dieser aufregenden Zeit begleitet. 33 der Frauen wurden schwanger - 21 Babys sind bereits zur Welt gekommen.

Im großen fem.com-Interview plaudert Britt Hagedorn über aufregende Stunden im Kreißsaal, späte Mütter und künstliche Befruchtungen.

Frau Hagedorn, "Deutschland wird schwanger" wird in neun Folgen ausgestrahlt. Wie bringt man darin 100 Paare unter?

Da mussten wir ein bisschen selektieren. Wir haben zwar versucht, so viele Paare wie möglich zu treffen, aber es gibt natürlich Fälle, die aufregender sind, als andere. Unter den 100 Paaren gab's zum Beispiel einige, die gesagt haben: "Wir überlassen es einfach dem lieben Gott, ob's klappt oder nicht". Das ist fürs Fernsehen nicht so spannend. Es ist interessanter, ein Paar zu begleiten, bei dem man weiß, dass es alles Mögliche probiert und zum Beispiel den Weg über eine künstliche Befruchtung geht.

Schwangerschaft und Kinderkriegen sind sensible Themen. Was waren Ihre Ansprüche an die Sendung?

Ich hatte den großen Wunsch, Zuschauern in einer ähnlichen Lebenssituation durch "Deutschland wird schwanger" bewusst zu machen, dass es ganz viele andere Paare gibt, bei denen das mit dem Kinderkriegen auch nicht so einfach funktioniert. In unserer Sendung gehen Menschen alle möglichen Wege, um Eltern zu werden. Das soll ungewollt Kinderlosen Mut machen, ihr Problem mit Ärzten zu besprechen und - falls nötig - medizinisch nachzuhelfen.

Medizinisch machbar ist ja heute vieles - wo liegen für Sie die ethischen Grenzen in punkto künstliche Befruchtungen?

Ich will es mal so formulieren: Die Grenzen bei diesem Thema sind in Deutschland so eng gesteckt, dass sie meinen ethischen Spielraum mit Sicherheit nicht überschreiten. Wir haben hierzulande ein sehr striktes Embryonen-Schutzgesetz, das meiner Meinung nach ruhig etwas gelockert werden könnte, um die Wahrscheinlichkeit von Schwangerschaften zu erhöhen. Meine moralische Grenze ist eher bei anderen Punkten erreicht. Zum Beispiel, was Abtreibungsgesetze im Ausland angeht. Abtreibungen bis zum sechsten Monat finde ich schrecklich. Wenn man selber schon Mutter geworden ist und weiß, wie weit ein Kind in dieser Zeit schon entwickelt ist, dann möchte man sich das gar nicht vorstellen.

Unter den Kandidatinnen sind auch Frauen Ende 40, die noch Mutter werden wollen. Wie finden Sie das?

Sie meinen sicher den Fall von Andrea. Über ihre Geschichte kann ich mich immer wieder amüsieren: Sie ist eine Wahrsagerin und sagte einer Kundin voraus, dass deren Ehemann sie für eine Andere sitzen lassen würde. Daraufhin bekam die Kundin sich mit ihrem Mann so in die Haare, dass dieser ganz empört zu Andrea ging. Und was passierte? Die Beiden verliebten sich ineinander! Das hat schon fast etwas Makaberes. Aber man muss dazu sagen, dass Andrea und ihr Lebensgefährte Eberhard wahnsinnig glücklich miteinander sind. Andrea ist jetzt 47, hat einen erwachsenen Sohn und wünscht sich sehnlich noch ein Kind von Eberhard... Meiner Meinung nach gibt es in der Altersfrage auf jeden Fall eine Grenze. Aber es ist nicht meine Aufgabe, dies zu beurteilen. Ich persönlich habe meine eigene Grenze, sie liegt bei etwa 40 bis 45 Jahren.

Gab es in DWS einen Fall, bei dem Sie sich ganz besonders gefreut haben, dass es mit dem Baby geklappt hat?

Ich habe mich natürlich über alle Schwangerschaften riesig gefreut, aber in manchen Fällen war die Nachricht einfach überwältigend. Zum Beispiel bei Marion und Guido: Marion hatte in ihrer letzten Schwangerschaft ihren Sohn Nico im sechsten Monat verloren und, wie ich fand, noch nicht genügend mit der Sache abgeschlossen. Als Marion und Guido sich für "Deutschland wird schwanger" bewarben, war die Fehlgeburt gerade mal zwei Monate her. "Das kann nichts werden", habe ich anfangs gedacht. Ich war auch ein paar Mal dabei, als Marion Absagen bekam, weil wieder mal eine künstliche Befruchtung nicht angeschlagen hatte. Doch irgendwann machte es dann "Klick". Über Marions Schwangerschaft hat sich das ganze DWS-Team unheimlich gefreut.

Welcher Moment hat Sie beim Dreh ganz besonders berührt?

Da gab es sehr viele Momente. Am allermeisten haben mich natürlich die Geburten berührt. Wenn man dabei sein darf, wie ein Kind auf die Welt kommt, wird man richtig in das Leben der entsprechenden Familie hineinkatapultiert - auch wenn man sie sonst kaum kennt. Das ist wirklich Wahnsinn! In solchen Momenten wird man ganz demütig. Schon komisch: Einerseits ist eine Geburt ja das Natürlichste von der Welt, aber andererseits trotzdem immer wieder etwas ganz Besonderes.

Sie sind selbst Mutter einer zweijährigen Tochter - hat es bei Ihnen sofort geklappt mit dem Wunschkind?

Nein, mein Mann und ich mussten auch richtig ackern. Wir haben uns ganz schön bemüht! Man muss aber auch ehrlich sagen, dass ich schon 34 Jahre alt war, als ich mich für ein Kind entschied. Wenn eine Frau die 30 überschritten hat, wird das mit dem Schwangerwerden immer schwieriger. Ab 35 rutscht, medizinisch betrachtet, die Wahrscheinlichkeit in den Keller. Das unterschätzen viele Frauen, besonders diejenigen, die lange studiert haben oder stark in den Job eingebunden sind. Viele werden mit ihrer späten Kinderplanung konfrontiert und bekommen ihre biologischen Grenzen aufgezeigt.

Was hat sich seit der Geburt Ihrer Tochter am allerstärksten in Ihrem Leben verändert?

Ganz klar meine emotionale Situation. Ich bin quasi einmal komplett umgepolt worden. Ich liebe meine Tochter anders und intensiver, als ich je einen Menschen geliebt habe. Das ist eine existenzielle Liebe, die ein Stück weit auch bedrohlich ist, weil man um sein Kind mehr Angst hat, als man um irgendetwas jemals Angst hatte. Wenn ich heute irgendwelche sehr schlimmen Geschichten im Fernsehen sehe oder in der Zeitung höre, schaue ich oft weg. Das kann ich mir nicht mehr antun.

Welchen Tipp würden Sie allen Paaren mit auf den Weg geben, die sich unbedingt ein Kind wünschen?

Da kann ich nur sagen: "Traut euch, habt keine Angst, mit Ärzten zu reden, wenn es mit einem Baby nicht klappen will, kratzt eure Finanzen zusammen, redet mit eurer Versicherung - und helft nach!"

Interview: Annika Mengersen

"Deutschland wird schwanger" läuft ab 2. November 2009 neunmal montags um 20.15 Uhr in SAT.1

Weitere Artikel

article
11868
Deutschland wird schwanger
"Helft ruhig nach!"
Auf fem.com plaudert Britt Hagedorn, Moderatorin der neuen Sat.1-Doku "Deutschland wird schwanger", über aufregende Stunden im Kreißsaal un...
http://www.fem.com/liebe-lust/artikel/deutschland-wird-schwanger-britt-hagedorn-helft-ruhig-nach!
30.10.2009 15:24
http://www.fem.com/var/fem/storage/images/liebe-lust/artikel/deutschland-wird-schwanger-britt-hagedorn-helft-ruhig-nach!/171612-1-ger-DE/deutschland-wird-schwanger-britt-hagedorn-helft-ruhig-nach!_contentgrid.jpg
Liebe & Lust

Kommentare