Beziehungsprobleme im Bett: Was tun?

Montag, 15.04.2013

Expertenrat: Was tun, wenn plötzlich jegliches Gefühl beim Sex mit dem Partner verloren geht?

In der Ratgeber-Kolumne auf fem.com stellen Leserinnen Beziehungsfragen und die Paartherapeuten und Beziehungscoachs von ElitePartner.de antworten.

Thema heute: "Keine Gefühle beim Sex"

 

"Ich hatte mit 17 mein erstes Mal mit meinem damaligen Freund. Wir waren dreieinhalb Jahre zusammen und in den ersten drei bis vier Monaten lief alles ganz gut im Bett. Dann, von heute auf morgen hat es plötzlich "Klick" gemacht und ich habe gar nichts mehr gespürt. Das hat mir ganz schön zu schaffen gemacht und wir haben alles Mögliche versucht, um das Gefühl beim Sex wieder zu bekommen, aber wir haben es nicht mehr hinbekommen, weshalb die Beziehung dann auch langsam aber sicher den Bach runterging. Ich hab mich nicht mehr wohlgefühlt dabei mit Ihm zu schlafen und habe es eigentlich nur noch als "Pflichtprogramm" gesehen, weil er nicht auf Sex verzichten wollte.

Jetzt habe ich einen Mann kennengelernt, den ich wirklich mag. Doch ich bekomme schon totale Panik bei dem Gedanken daran, mit ihm zu schlafen. Denn in meinem Hinterkopf hab ich die ganze Zeit den Sex von damals. Wie kann ich das Ganze überwinden, damit ich vielleicht irgendwann mal wieder eine glückliche Beziehung führen kann?"

Susan, 21 Jahre

Die Experten-Antwort: Schutzreaktion des Körpers

Beziehungsexpertin Lisa Fischbach

Lisa Fischbach

"Liebe Susan,

ihre Schilderung lässt wichtige Fragen offen, um den Gefühlen und körperlichen Reaktionen genau auf den Grund gehen zu können und daraus einen Rat abzuleiten. Säßen Sie persönlich in meiner Praxis, würde ich mit Ihnen auf Spurensuche gehen, warum es in der vergangenen Beziehung plötzlich „Klick“ gemacht hat. Vermeintlich kam das völlig überraschend über Sie und Sie konnten dafür keinen plausiblen Grund ausmachen. Doch es wird diesen geben. Oft  liegen die Ursachen für solche unerwartet eintretenden Veränderungen in körperlichen Dingen ganz woanders – weit verborgen auf einer anderen, tiefen und zumeist emotionalen Ebene.

Störungen im Empfinden oder im Erleben sind Notfallreaktionen. Sie wollen auf etwas hinweisen. Ihr Ex-Freund war Ihr erster Mann im Bett. Für alle Frauen ein wichtiges Erlebnis, das mit viel Unsicherheit verbunden ist. Ihr "Erkalten" scheint eine Schutzreaktion zu sein. Fühlten Sie sich geliebt und sicher genug, um sich emotional und sexuell zu öffnen? Waren Sie wirklich bereit, sich körperlich und emotional weiter einzulassen? Das mag paradox klingen, aber was wollte Ihnen der Körper sagen?

Anstatt genau auf diese Symptome zu hören, haben Sie Ihrem Freund zum Gefallen weiter gemacht. Und damit lustlosen Sex über sich ergehen lassen – in der Hoffnung, es macht wieder Klick in die andere Richtung. Da Sie vorher sexuell Lust erleben konnten, ist es relativ unwahrscheinlich, dass bei Ihnen eine tiefgreifende sexuelle Störung vorliegt. Möchten Sie das ganz ausschließen, wäre im ersten Schritt ein Gespräch mit dem Gynäkologen ratsam.

Voraussetzung für eine glückliche Beziehung: Sich selbst lieben

Was können Sie nun tun, um die Angst vor ähnlichen Empfindungen in einer neuen Beziehung zu verlieren. Ganz wichtig ist wohl, dass Sie sich diesmal treu bleiben. Das heißt: Achten Sie genau auf Ihre Gefühle – was tut Ihnen gut, was brauchen Sie, um sich wohl zu fühlen, wie ist Ihr Tempo in der Sexualität? Tun Sie nichts, was Sie nicht wollen. Das sollten Sie sich wert sein. Der Weg zu einer glücklichen Beziehung geht nur über die Liebe zu Ihnen selbst, Akzeptanz Ihrer Ängste und innerer Zufriedenheit. Ihre Sexualität ist nicht dafür da, Ihren Partner zu befriedigen und an sich zu binden, sondern gemeinsam Lust und Nähe zu teilen.

Um sich selber zu spüren und zu erfahren, was Ihnen Spaß bereitet, ist es hilfreich, Ihren Körper zu erkunden, finden Sie Ihre erogenen Zonen, befriedigen sich selbst und beobachten sich in Ihrem Lustempfinden. Das schafft Selbstvertrauen, dass Sie für sich selber funktionieren. Wenn Sie spüren, alte Probleme tauchen in der neuen Zweisamkeit auf, sollten Sie den Rat eines Psychologen suchen. Denn andernfalls verfestigt sich die Angst und die Hürde wird immer größer"

Lisa Fischbach

Lisa Fischbach ist Diplom-Psychologin und arbeitet als Therapeutin und Paarberaterin in Hamburg (www.lisafischbach.de). Sie ist zudem beratend für die Online-Partnervermittlung ElitePartner.de tätig.

Lisa Fischbach ist Co-Autorin des Ratgebers "Treue ist auch keine Lösung". Untreue kann Liebe sein, Treue dagegen lieblose Gewohnheit. Vor dem Hintergrund ihrer provokanten These - Liebe braucht keine Treue - zeigen die Autoren, dass es sich für jedes Paar lohnt, sich an ihrer Liebe zu orientieren und nicht an romantischen Klischees. 17,99 Euro, z.B. bei amazon.de

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Wenn der Sex mit dem Partner zum Ritual ohne Gefühle verkommt, ist die Verzweiflung verständlicherweise groß. Unsere Paartherapeutin Lisa Fischbach weiß Rat.

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15.04.2013 17:25
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