Beziehung: Gefühlschaos – Zusammen ist man weniger allein

Mittwoch, 11.09.2013

Expertenrat: Seit Miriam mit Ihrem Freund zusammen wohnt, treten Probleme in der Partnerschaft auf und damit auch Zweifel an der Beziehung. Ist die Liebe noch zu retten?
In der Ratgeber-Kolumne auf fem.com stellen Leserinnen Beziehungsfragen und die Paartherapeuten und Beziehungscoachs von ElitePartner.de antworten.
Thema heute: "So nah und doch so fern"
"Ich bin seit dreieinhalb Jahren mit einem Mann zusammen, den ich sehr liebe. Nach einer anfänglichen Wochenendbeziehung bin ich zu ihm in das Haus seiner Mutter gezogen. Es war immer sehr harmonisch zwischen uns, doch vor Kurzem habe ich bemerkt, dass etwas nicht stimmt. Als ich ihn darauf ansprach, sagte er, es würde ihm alles zu viel werden, unsere Beziehung, seine Mutter und seine Arbeit. Ich war völlig geschockt, da ich immer davon überzeugt war, dass er mich sehr gern bei sich hatte. Nun sind wir erst mal so verblieben, dass ich einige Zeit bei mir zu Hause bin, wir keinen Kontakt haben und jeder abwägt, was ihm an der Beziehung gefällt oder nicht. Wenn ich bald wieder arbeite, kann ich bei ihm wohnen. Es sind drei Tage die Woche, und ich habe den Vorschlag gemacht, dass ich die anderen Tage zu Hause verbringe, dass wir wieder eine ähnliche Wochenend-Beziehung führen. Hat unsere Beziehung noch Zukunft, und wie kann ich sie retten?"

Video: Er will keine Beziehung


Miriam, 51 Jahre
Die Experten-Antwort:

Beziehungsexpertin Lisa Fischbach

Lisa Fischbach

"Beziehungen machen Schwankungen durch, das ist ganz normal und muss nicht das Ende einer Liebe bedeuten. Wenn bei beiden noch viel Gefühl füreinander vorhanden ist, kann diese Krise etwas sehr Positives haben: Sie ziehen beide Bilanz und Justieren das Miteinander neu. Das ist eine gute Chance, eigene  Bedürfnisse zu erkennen, dem Partner zu zeigen und einen veränderten Umgang damit auszuhandeln. Das Bedürfnis nach Freiraum und Nähe ist eines der elementarsten in einer Beziehung. Dieses kann sich je nach Lebensumständen verändern. Ihr Freund scheint aktuell überlastet zu sein. Bedauerlicherweise hat er seine verändernten Wünsche nicht direkt Ihnen gegenüber geäußert. Sie mussten ihm alles aus der Nase ziehen, waren sozusagen „Gefühls-Hebamme“. Das ist eine Rolle, die Frauen viel in einer Partnerschaft übernehmen, weil Männer sich an dieser Stelle häufig schwer tun. Wichtig ist jetzt aber, dass offene Gespräch zu suchen. Im stillen Kämmerlein wird man sich zwar teilweise seiner Bedürfnisse bewusst, aber viel hilfreicher ist es, mit seinem Partner zu besprechen, wie es zum eigenen Erleben der Partnerschaft kommt. Im Mittelpunkt sollte stehen: „Was brauche ich, um mich mit dir wohl zu fühlen.“ Sie können auf diese Weise ein zweites Kennenlernen erleben. Denn Paare glauben meist, den Partner zu „wissen“, ihn lesen zu können. Doch oft sind die Hypothesen über den Anderen nicht wirklich zutreffend. Führen Sie in Zukunft regelmäßig, beispielsweise alle zwei Wochen, ein Beziehungsgespräch, in dem Sie fragen, wie es dem anderen mit Ihnen geht, was gut läuft, was anders sein könnte. Damit schaffen Sie eine Möglichkeit, sich wieder mehr auf den Partner und seine Gefühle verlassen zu können. Und Sie werden viel Neues entdecken! Das stärkt Ihre Liebe."

Lisa Fischbach
Lisa Fischbach ist Diplom-Psychologin und arbeitet als Therapeutin und Paarberaterin in Hamburg (www.lisafischbach.de). Sie ist zudem beratend für die Online-Partnervermittlung ElitePartner.de tätig.
Lisa Fischbach ist Co-Autorin des Ratgebers "Treue ist auch keine Lösung". Untreue kann Liebe sein, Treue dagegen lieblose Gewohnheit. Vor dem Hintergrund ihrer provokanten These - Liebe braucht keine Treue - zeigen die Autoren, dass es sich für jedes Paar lohnt, sich an ihrer Liebe zu orientieren und nicht an romantischen Klischees. 17,99 Euro, z.B. bei amazon.de
SCHREIBEN SIE UNS! Haben Sie auch ein Liebes- oder Partnerschafts-Problem, das Ihnen unter den Nägeln brennt? Dann mailen Sie uns: redaktion(at)fem.com, Betreff: "Warum Männer...". Mit etwas Glück wird Ihre Frage unter Angabe von Vorname und Alter (auf Wunsch auch mit geändertem Vornamen) auf fem.com veröffentlicht und beantwortet.

Die Psychologin Frau Fischbach gibt Ratschläge, was man tun kann wenn die Gefühle kurz nach dem Zusammenziehen Achterbahn fahren.

Das Zusammenziehen kann manche Männer in Bedrängnis bringen - aber es ist eigentlich kein Grund die Beziehung in Frage zu stellen?

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