Affäre: Männer verstehen – "Vertrauen zerstört?"

Sonntag, 12.12.2010

In unserer Kolumne stellt eine Leserin eine Liebes-Frage - und erhält zwei Antworten: die eines Partnerschafts-Experten und die eines Mannes ohne psychologische Vorkenntnisse.
Thema heute:
"Vertrauensbruch in der Affäre"
Die Frage:
"Im September 2009 lernte ich (36) einen Mann (60) bei Freunden auf einer Party kennen. Wir verstanden uns auf Anhieb und trafen uns bis vor einem Monat regelmäßig zwei- bis dreimal pro Woche und gelegentlich auch an den Wochenenden.

Dieser Mann lebt seit 25 Jahren in einer Lebensgemeinschaft und hat ein fünfjähriges Kind mit seiner Partnerin. Dies hat er mir nie verschwiegen - und ich bin auch nicht seine erste Affäre. 

Nun habe ich den Fehler begangen, ihm eine Postkarte nach Hause zu senden. Ich ging davon aus, dass er seine Post selbst aus dem Briefkasten holt, denn die beiden leben zwar in einem Haus, aber jeder hat seinen eigenen Wohnbereich. Ich selbst war schon in seiner Wohnung. Doch nun hat sich herausgestellt, dass seine Lebensgefährtin die Post aus den Briefkästen holt.

Es gab wohl einen Streit und er hat nun Angst, dass sie ihn verlässt. Er möchte mit ihr zusammenbleiben, damit er seinem Sohn eine Familie geben kann. Er hat auch Angst, dass er seinen Sohn nicht mehr besuchen dürfte oder weniger Kontakt zu ihm hätte, wenn sie ihn verlässt.

Deshalb hat er sich zurückgezogen, wir sehen uns nur noch einmal pro Woche. Das ist für mich schwer auszuhalten. Mit der Situation zuvor kam ich gut zurecht. Ich wünsche mir, dass wir uns wieder häufiger sehen, habe aber Bedenken, ob ich diesen Wunsch jetzt schon an ihn richten kann oder noch etwas Zeit verstreichen lassen sollte. 

Da er fast die Hälfte seines Lebens mit seiner Partnerin verbracht hat und dazu noch ein Kind mit ihr hat, verlange ich auch nicht, dass er sie verlässt. Aber ich wünsche mir, dass ich die Beziehung wieder aufbauen kann.

Er sagt, die Karte hätte Vertrauen zerstört, gibt mir aber auch nicht allein die Schuld daran. Der Altersunterschied von 24 Jahren ist übrigens kein Problem: Ich mag väterliche Typen und weiß um meinen Vaterkomplex.

Was kann ich tun um sein Vertrauen wieder zu gewinnen? Vielleicht hilft mir Ihre Antwort eine Entscheidung oder Lösung zu finden." Helene, 36

Beziehungs-Mythen - Experten-Tipps – Gleich und gleich...

Die Experten-Antwort:

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"Liebe Helene, ich versuche mal, zusammenzufassen: Sie sind seit ca. einem Jahr die Geliebte eines 24 Jahre älteren Mannes, der seit fast drei Jahrzehnten mit seiner Partnerin und dem gemeinsamen Kind zusammenlebt.

Ihm scheint es weniger um die Beziehung zu seiner Partnerin zu gehen, als darum, seinem Sohn eine 'Familie' zu geben. Sie sagen, Sie verlangen nicht, dass er sich zu Ihnen bekennt und nun spricht er davon, dass durch Ihre Postkarte das 'Vertrauen' zerstört sei. Ich musste das für mich erst mal im Kopf ordnen.

Nicht nachvollziehen kann ich, warum er Sie auf der einen Seite mit in das Haus nimmt, in dem auch seine Familie lebt - er demnach wenig getan hat, um die Beziehung zu Ihnen zu verheimlichen - auf der anderen Seite Ihre Karte als 'Vertrauensbruch' definiert. Hat er Ihnen in diesem Zusammenhang erklärt, womit sie das Vertrauen konkret gebrochen haben sollen?

Nun zu Ihrer Frage. Ich sehe eigentlich nur einen Weg: Sie müssen sich selbst ganz ehrlich fragen, was Sie eigentlich wollen und sich von ihm wünschen. Ist es wirklich so, dass Sie auf Dauer die Rolle der Geliebten befriedigt? Gab es - vielleicht unbewusst - den Wusch, dass seine Partnerin die Karte lesen könnte und er gezwungen ist, Stellung zu beziehen?

Sie schreiben zwar, dass Sie nicht von ihm verlangen, dass er sich von ihr trennt - die Erklärung dafür klingt aber sehr verstandesbetont, also rational - was sagt Ihr Gefühl dazu? Welche Perspektive sehen Sie für sich und welche wünschen Sie sich eigentlich?

Ich rate Ihnen, diese Fragen offen und ehrlich für sich selbst zu klären und dann ihn mit Ihren Antworten zu konfrontieren. Ich denke, dann sind Sie schon ein großes Stück weiter. Alles Gute!" Markus Ernst

Markus Ernst, 40, ist Diplom-Psychologe, arbeitet als Coach bei der Online-Partneragentur Parship.de und hat eine eigene Praxis. Er verfügt  über umfassende Kenntnisse in den Bereichen Partnersuche, Partnerwahl und Partnerschaft.

Die Männer-Antwort:
"Liebe Helene, Sie selbst schreiben, dass es sich um eine Affäre handelt. Wie ehrlich und vertrauensvoll man in einer Affäre miteinander umgeht, hängt von jedem selbst ab: Es gibt keine Grundregeln - deshalb darf keine der beiden Seiten zu viel von der Affäre erwarten. 

Ich kann mich täuschen, aber ich habe das Gefühl, dass Sie sich zu viel von der Affäre erhoffen. Sie wissen, dass der Mann in einer Partnerschaft lebt, dass es ein Kind gibt und er all das nicht aufgeben will.

Wenn er Sie öfter in der Woche sehen würde, nimmt auch die Gefahr zu, dass seine Partnerin, die durch die Postkarte ohnehin schon Lunte gerochen hat, vollends an der Ehrlichkeit ihres Mannes zweifelt. Es ist eine schwierige Situation, denn es gibt nichts, was sie tun können, um für mehr Vertrauen zwischen Ihnen und Ihrer Affäre zu sorgen.
Er gibt Ihnen ja nicht allein die Schuld an dem 'Postkarten-Dilemma'. Und sonst ist, wie mir scheint, nichts vorgefallen. Ich denke vielmehr, dass die Sache mit der Postkarte Ihren Freund wieder auf den Boden der Tatsachen geholt hat. Bis dahin dachte er, beides - die Beziehung und die Affäre - könnten problemlos weiter nebeneinander existieren. Das klappt aber nicht, irgendwann passieren Fehler und man riskiert, etwas Wichtiges zu verlieren.

So erging es dem Mann, mit dem Sie eine Affäre haben: Er wurde wachgerüttelt. Dass er jetzt vorsichtiger ist, liegt in der Natur der Sache und hat wenig mit zerstörtem Vertrauen zu tun.

Vielleicht sollten Sie sich fragen, ob Sie diese Beziehung noch wollen. Denn irgendwann könnte er sich endgültig für seine Familie entscheiden und Sie allein zurücklassen. Wäre es da nicht sinnvoller - auch wenn es noch so weh tut - jetzt einen Schlussstrich zu ziehen und sich die Chance zu geben, sich neu zu verlieben? Ich wünsche Ihnen alles Gute." Agent Dexter

Unser zweiter Berater ist online unter dem Pseudonym Agent Dexter unterwegs, 28 Jahre alt und studierter Germanist sowie Journalist. Er liebt Musik, Sport und gutes Essen und befasst sich im Auftrag von fem.com zum ersten Mal professionell mit Beziehungsfragen.

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Foto: Miss X / photocase.com

Ich habe eine Affäre

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12.12.2010 10:00
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