Umstrittene Nahrungsergänzungsmittel: Hilfe gegen Hunger?

Samstag, 20.09.2014

Kann man den weltweiten Hunger mit Reis oder Weizen bekämpfen, die mit Nahrungsergänzungsmitteln angereichert sind? Hilfsorganisationen sehen das kritisch.

Ob sogenannter "goldener Reis" mit Beta-Carotin oder Milch mit zusätzlichem Eisen – immer mehr durch Nahrungsergänzungsmittel angereicherste Grundlebensmittel kommen auf den internationalen Markt. Theoretisch könnte damit den vielen Millionen Menschen geholfen werden, die weltweit immer noch hungern oder zu wenig gesunde Nahrung zu sich nehmen. Gerade der Nährstoffmangel kann in betroffenen Gebieten fatale Folgen haben. "Etwa zehn Prozent aller Krankheiten, so schätzt man, sind auf diesen Mikronährstoffmangel zurückzuführen", erklärt Wolfgang Jamann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Welthungerhilfe bei "deutschlandfunk.de". "Eine ganz große Rolle spielt der Mangel an Vitamin A, der oft für Kinder unter fünf Jahren lebensbedrohlich ist. Mangel an Zink, Mangel an Jod etc." Dass man diesen Problemen durch Nahrungsergänzungsmittel beikommen könnte, sieht Jamann jedoch kritisch.

Nahrungsergänzungsmittel als Lösung?

Zu den meist diskutierten Produkten, die mit Nahrungsergänzungsmitteln angereichert sind, gehört der "goldene Reis". Dieser gentechnisch veränderte Reis enthält erhöhte Mengen an Beta-Carotin, das im menschlichen Körper zu Vitamin A umgewandelt werden soll. Doch bisher ist nur gesichert, dass dieser Umwandlungsprozess im Labor funktioniert – seine Wirksamkeit im menschlichen Organismus bleibt umstritten.

"Ob der goldene Reis auch unter den Produktionsbedingungen in der sogenannten Dritten Welt die Erträge abwirft und ob die Umwandlung auch bei chronisch mangelernährten Menschen funktioniert, ist aber tatsächlich noch nicht erforscht", so Experte Jamann. Auch Milch- oder Weizensorten, die Nahrungsergänzungsmittel enthalten, stehen in der Kritik – hinter vielen dieser Produkte stehen die großen Lebensmittelkonzerne, die vor allem wirtschaftliche Interessen im Sinn hätten.

Hilfe zur Selbsthilfe

Hunger und Mangelerscheinungen seien vor allem ein strukturelles Problem, erklärt der Experte. Prinzipiell sei das Ökosystem des Planeten durchaus in der Lage, alle notwendigen Nährstoffe für die Erdbevölkerung zu liefern. Statt durch künstlich angereicherte Lebensmittel neue Abhängigkeiten zu erzeugen, sollen laut der Hilfsorganisation "Terre des hommes" lieber die lokalen Ressourcen der betreffenden Entwicklungsländer gestärkt werden, fasst "deutschlandfunk.de" zusammen. Nahrungsergänzungsmittel seien keinesfalls ein Allheilmittel der Welthungerhilfe und sollten wenn, dann nur als temporäre Maßnahme in besonderen Situationen zur Verfügung gestellt werden.

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Nährstoffmangel sorgt bei hungernden Menschen besonders für Probleme. Können dabei Grundlebensmittel helfen, die mit nahrungsergänzungmitteln angereichtert sind?

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