Rückenschmerzen behandeln – Probleme bei der Therapie

Freitag, 28.02.2014

Bei der Therapie von Rückenschmerzen halten sich viele Ärzte nicht an die vorgegebenen Leitlinien. Neben unnötigen Behandlungen hakt es bei der Kommunikation zwischen den Therapeuten.

Für die richtige Behandlung von Rückenschmerzen gibt es offizielle Leitlinien, herausgegeben unter anderem von der Bundesärztekammer, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sowie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Gültig ist diese seit November 2010. Wie "Spiegel Online" berichtet, halten sich viele Ärzte nicht an diese Leitlinien.

Unnötige Behandlungen bei Rückenschmerzen

Die Leitlinien zur Behandlung von Rückenschmerzen sehen vor, dass bei unspezifischen Rückenschmerzen zunächst keine medizinischen Verfahren angewandt werden sollen, wenn kein dringender Verdacht vorliegt. Anstatt sofort zu röntgen oder Medikamente zu verschreiben, sollen Ärzte zunächst auf eine gesunde Lebensführung hinwirken, zu der auch regelmäßige körperliche Aktivität zählt. Erst wenn nach sechs bis zwölf Wochen keine Besserung eintritt, sind weitergehende Maßnahmen zu ergreifen. In der Praxis greifen Ärzte und Therapeuten häufig viel früher etwa zu Injektionen von Schmerzmitteln.

Und selbst nach der empfohlenen Frist sollten Maßnahmen wie Operationen, Medikamente und andere Therapien erst nach einer interdisziplinären Untersuchung in Erwägung gezogen werden. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Physiotherapeuten und Psychologen soll die Ursachen von unspezifischen Rückenschmerzen abklären. Eine solche umfassende Beratung von verschiedenen Experten erhalten zu diesem Zeitpunkt nur wenige.

Kommunikation: Mangelhaft!

Und wer früher oder später dann doch an einen solchen Experten verwiesen wird, muss damit rechnen, dass die jeweils bei der Visite gewonnenen Erkenntnisse über den Gesundheitszustand nicht an die anderen Experten weitergegeben werden. "Es sollte eine ausreichende Kommunikation geben, aber de facto gibt es sie nicht", moniert der Schmerzmediziner Rainer Sabatowski in einem Interview mit "Spiegel Online". Und weiter: "Ob aber der Physiotherapeut das gleiche Konzept verfolgt wie der Arzt, ist überhaupt nicht gesagt. Es gibt eine Studie, die zeigt, welche negativen Konsequenzen das haben kann."

Empfehlenswert sind deshalb Arztpraxen, in denen eine solche interdisziplinäre Zusammenarbeit zum Grundkonzept erhoben wurde. Etwa wenn Orthopäden, Psychologen und Physiotherapeuten gemeinsam unter einem Dach arbeiten, oder von vornherein eine enge Zusammenarbeit mit diesen Kollegen in Aussicht stellen. Sollten sich Rückenschmerzen nach drei Monaten nicht bessern, empfiehlt Sabatowski Patienten, wegen möglicher chronischer Schmerzen ein Schmerzzentrum aufzusuchen, in dem die interdisziplinäre Behandlung zum Alltag gehört.

Wenn jede Bewegung zur Qual wird - Rückenschmerzen gehören zu den am weitesten verbreiteten Leiden in Deutschland.

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