Nahrungsergänzungsmittel bei Hungersnot?

Sonntag, 29.06.2014

Nahrungsergänzungsmittel sind bei uns das gesunde Extra – in anderen Ländern hängen Leben davon ab. Doch können sie die Schäden von Hungersnöten wirklich begrenzen?

"Medikamente, Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel sorgen dafür, dass schwer mangelernährte Kinder überleben. Doch gegen langfristige Probleme können sie nicht viel ausrichten", heißt es in einem Bericht auf "welt.de". Tatsächlich werden Nahrungsergänzungsmittel in Entwicklungsländern dazu eingesetzt, die akuten Folgen von Hungersnöten und Mangelernährung zu behandeln. Langfristig scheinen die positiven Effekte der oft angepriesenen Mittel allerdings nicht anzuhalten. Schuld daran sind aber offenbar nicht die Nahrungsergänzungsmittel selbst, sondern die Folgen der Mangel- oder Unterernährung.

Kein Schutz vor Langzeitschäden

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Wichtigste Erkenntnis: Mangelernährung schädigt die Darmfauna nachhaltig. "Eine Studie aus Bangladesch zeigt, dass sich Nährstoffmangel auf die im Darm lebenden Bakteriengemeinschaften auswirkt", schreibt "welt.de" mit Bezug auf die Fachzeitschrift "Nature". Die Ernährungssituation werde durch Nahrungsergänzungsmittel zwar temporär verbessert, langfristige Schädigungen können die Mittel aber offenbar nicht abwenden.

In Südasien betrifft moderater Nährstoffmangel 19 Prozent der dort lebenden Kinder, bei mehr als 40 Prozent der Unterfünfjährigen werden dadurch Wachstumsstörungen ausgelöst. Nahrungsergänzungsmittel könnten zwar die Sterberate dieser jungen Kinder senken, über die langfristigen Auswirkungen der Mangelernährung war bislang aber nicht viel bekannt. Nun ist klar: Die Darmfauna wird nachhaltig geschädigt.

Nahrungsergänzungsmittel bei Mangelernährung

Wissenschaftler behandelten 64 schwer mangelernährte Kinder in einem Krankenhaus in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, unter anderem mit Nahrungsergänzungsmitteln. Zwar nahmen sie schnell zu – die Kinder waren aber immer noch kleiner und leichter als gesunde Gleichaltrige. "Stuhlanalysen zeigten, dass die Bakteriengesellschaft im Darm während der Therapie zwar etwas vielfältiger wurde, aber nur für kurze Zeit. In den vier Monaten nach Behandlungsende sank die Mikrobenvielfalt wieder", heißt es in dem Artikel weiter. Eine Studie im afrikanischen Malawi bestätigte die Ergebnisse.

Ist die Darmfauna der Kinder also erst einmal geschädigt, kann sie sich trotz Nahrungsergänzungsmitteln davon nicht wieder erholen. Forscher müssen nun herausfinden, wie sie die Darmfauna der mangelernährten Kinder schneller wieder auf ein gesundes Niveau bringen können. Traditionelle Lebensmittel statt Nahrungsergänzungsmitteln könnten demnach eine Lösung sein.

Kann Mangelernährung durch Nahrungsergänzungsmittel ausgeglichen werden? Hier erfahren Sie mehr.

Mangelernährung schädigt nachhaltig die Darmflora. Doch ist es möglich durch Nahrungsergänzungsmittel dieser Schädigung vorzubeugen?

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29.06.2014 10:00
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