Grippe-Viren mathematisch vorhersagen: Blick in die Zukunft

Samstag, 13.09.2014

Alle Jahre wieder: Kommt die Grippe- und Erkältungssaison, stecken sich zahlreiche Menschen an. Grund dafür: Mutierende Viren – Forscher wollen deren Evolution jetzt vorhersagen.

Die Grippe scheint den Menschen stets einen Schritt voraus zu sein. Verschiedene Virenstämme können sich von Jahr zu Jahr unterschiedlich ausbreiten, außerdem kann das Influenzavirus seine Oberfläche verändern und sich so "tarnen", sodass das Immunsystem langsamer auf den Eindringling reagiert. Grippeimpfungen müssen deswegen jedes Jahr erneut durchgeführt werden, damit der Impfstoff auch gegen den Virus der aktuellen Saison wirksam ist. Ein Impfstoff gegen die Grippe konnte bisher immer erst entwickelt werden, nachdem bereits Menschen von der aktuellsten Version des Erregers befallen waren. Bisher versuchte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) daher nur durch die Auswertung von Daten der letzten Jahre vorherzusagen, welcher Impfstoff für die aktuelle Grippesaison produziert werden muss.

Die Grippe des nächsten Jahres

Der jährlichen Evolution der Grippevieren war bisher nicht mit mathematischen Methoden beizukommen, da die Veränderungen auf Zufall basierten – die Datenmenge war einfach zu groß. Laut "zeit.de" wollen die Biologin Marta Luksza und der Physiker Michael Lässig von der Columbia University das jetzt geschafft haben. Anhand von Daten der WHO aus den letzten 50 Jahren haben sie eine Prognose erstellt. "Wir haben anhand der Daten versucht, jeweils diejenigen Mutationen gegenüber dem Vorjahr zu identifizieren, die das Virus stärken, und diejenigen, die es schwächen", berichtet Lässig der "Zeit".

Für ihre Prognose verwenden die Wissenschaftler jedoch nicht die alle Informationen über das Virus, sondern konzentrieren sich bei ihrem Computermodell nur auf Daten zur Oberflächenstruktur der Grippe auslösenden Erreger. "Wir haben bewusst für den Anfang nur einen Teil der Daten aufgenommen, sodass wir die Ausbreitungswahrscheinlichkeiten und die Auswirkungen von Mutationen noch berechnen können", erklärt Lässig.

Grippen-Prognose in der Kritik

Der Physiker Lässig ist sich der Probleme seiner reduzierten Datenmengen durchaus bewusst. "Wenn der Mond heute irgendwo steht, dann weiß ich durch die Gesetze der Kinetik und der Dynamik auch, wo er morgen steht. Das lässt sich auf komplexe Vorgänge in der Biologie natürlich nicht direkt so übertragen", erklärt er. Dennoch ist es seinem Computermodell bereits gelungen, die Grippevirenverteilungen für die Jahre 2006, 2007 und 2008 weitgehend korrekt zu prognostizieren. Jetzt will auch die WHO das neue Modell unter die Lupe nehmen.

Hier geht’s zum Google+ Profil von fem Gesundheit Google+

fotolia_Grippe_610x464

Können Grippe-Viren mathematisch vorhergesagt werden? Forscher wollen das jetzt können.

Weitere Artikel

article
39192
Grippe-Viren mathematisch vorhersagen: Blick in die Zukunft
Grippe-Viren mathematisch vorhersagen: Blick in die Zukunft
Alle Jahre wieder: Kommt die Grippe- und Erkältungssaison, stecken sich zahlreiche Menschen an. Grund dafür: Mutierende Viren – Forscher wollen deren...
http://www.fem.com/gesundheit/news/grippe-viren-mathematisch-vorhersagen-blick-in-die-zukunft
13.09.2014 10:30
http://www.fem.com/var/fem/storage/images/media/images/news-bilder/fotolia_grippe_610x464/576722-1-ger-DE/fotolia_grippe_610x464_contentgrid.jpg
Gesundheit

Kommentare