Chronische Rückenschmerzen: Ursachen in der Psyche

Montag, 14.07.2014

Rückenschmerzen sind ein Volksleiden. Doch nicht immer helfen Spritzen und Krankengymnastik gegen den Schmerz im Kreuz, denn die Ursache sitzt oft tiefer.

Chronische Rückenschmerzen machen Betroffenen nicht nur das Leben schwer, sie machen sich auch in der Wirtschaft bemerkbar. Fast die Hälfte aller Fehltage von Arbeitnehmern werden von den zehn Prozent aller Patienten verursacht, die länger als sechs Wochen wegen Rückenschmerzen krankgeschrieben sind, heißt es im Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse. Dabei ließe sich dies durch rechtzeitige Therapie verhindern, glaubt der Schmerzmediziner Bernhard Arnold von der Klinik Dachau. Im Interview mit "spiegel.de" erklärt der Experte, dass die Symptome oft ganz falsch behandelt werden.

Rückenschmerzen meist mit harmloser Ursache

Nicht immer sind Rückenschmerzen das Symptom eines Bandscheibenvorfalls oder einer anderen ernsthaften Erkrankung. Auch harmlose organische Hintergründe können für langfristige Beschwerden sorgen. "Viele Betroffene dramatisieren deshalb die Beschwerden, das löst eine verhängnisvolle Spirale aus", erklärt Schmerzexperte Arnold. "Sie schonen sich, Muskulatur wird abgebaut – die Symptome werden schlimmer statt besser." Stattdessen rät er dazu, zuerst eine gründliche Untersuchung durchzuführen, um zu garantieren, dass die Rückenschmerzen keine schwerwiegenden Ursachen haben. Danach solle der Patient in Bewegung bleiben, statt auf der Couch zu liegen – notfalls mit Hilfe von Schmerzmittel und Physiotherapie.

Die Psyche schlägt aufs Kreuz

Lassen die Rückenschmerzen trotzdem nicht nach, können die Gründe auch jenseits von Wirbeln, Nervensträngen und Bandscheiben zu finden sein. "Bei chronischen Schmerzen steht der psychische Anteil besonders im Vordergrund. Dagegen helfen keine Spritzen in den Rücken", erklärt Arnold bei "Spiegel Online". Daher solle ein Arzt beim Patientengespräch idealerweise auch nach psychosozialen Faktoren fragen, so der Experte. Dazu gehörten "depressive Stimmung, Probleme am Arbeitsplatz, oder die negative Sichtweise der eigenen Gesundheit".

Dementsprechend solle eine Diagnose bei Rückenproblemen am besten von einem interdisziplinären Team aus Ärzten, Psycho- und Physiotherapeuten geleistet werden. Dies müsse jedoch bald nach dem Auftreten der Schmerzen geschehen. "Wenn der Patient zwei bis drei Monate auf ein Erstgespräch warten muss, ist der Zug in Richtung Chronifizierung längst abgefahren", bemängelt der Schmerzwissenschaftler die Zustände des Gesundheitssystems.

Rückenschmerzen müssen nicht immer eine physische Ursache haben.

Gegen die Volkskrankheit Rückenschmerz kann oft einfach ein bisschen mehr Bewegung helfen. Andere Ursachen können allerdings auch mit der Psyche zusammenhängen.

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