Was ist Mammographie? – Mammographie: Nutzen und Risiken

Montag, 05.03.2012

Mammographie kann Leben retten, indem Brustkrebs früh erkannt wird. Wie funktioniert das Verfahren?

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Brustkrebs soll durch die Mammographie früher erkannt werden, doch das flächendeckende Mammographie-Screening ist nicht unumstritten. Kritiker zweifeln den Nutzen an, warnen vor der Strahlenbelastung und falschen Befunden. Tatsache ist: Studien zeigen, dass die Mammographie Leben retten kann.


Mammographie kann Leben retten
Eigentlich sollte es nur eine harmlose Routineuntersuchung sein, doch der Brief des Arztes mit den Ergebnissen der Mammographie blieb aus. Stattdessen rief er an, der Chefarzt persönlich. "Da wusste ich sofort, dass es ernst ist", sagt Regina Passmann. Sie war 56 Jahre alt, als in ihrer Brust ein bösartiger Tumor entdeckt wurde. Er hatte einen Durchmesser von über zwei Zentimetern, lag aber so weit innen, dass er nicht zu ertasten gewesen war. "Mein Krebs war sehr aggressiv", sagt Passmann heute, vier Jahre später. "Ehrlich, ich weiß nicht, ob ich ohne Mammographie noch hier wäre."
Mammographie - flächendeckend ab 50 Jahren
Es sind solche Fälle, wie der von Regina Passmann, die dazu geführt haben, dass es in Deutschland seit dem Jahr 2004 ein flächendeckendes Mammographie-Screening für Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren gibt. Alle zwei Jahre werden sie automatisch zur freiwilligen Teilnahme am Screening eingeladen. Jede Frau muss für sich entscheiden, ob sie das Angebot wahrnimmt.
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"Mammographie: Nutzen und Risiken" ist ein Gastbeitrag aus TickTack. Das Magazin ist Teil der Pink Ribbon-Kampagne für mehr Aufmerksamkeit zum Thema Brustkrebs. TickTack versteht sich als Magazin für bewusstes Leben mit einem breiten Themenspektrum: Von nachhaltigem Design und Lifestyle, über Freizeit und Urlaub, Inhalte zu Familie und Beruf bis hin zu Gesundheits-Themen. Alle Infos zur Kampagne und zum Magazin gibt's unter: www.pinkribbon-deutschland.de.
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Der Zeitpunkt für eine Mammographie
 
Eine Mammographie ist jederzeit möglich - und wird auch von der Krankenkasse bezahlt - sobald ein Verdacht vorliegt. Sie kann also vorgenommen werden, wenn zum Beispiel der Gynäkologe einen Knoten ertastet hat. Die Kooperationsgemeinschaft Mammographie, in der sich Kritiker und Befürworter des Screenings zusammengeschlossen haben, empfiehlt jedoch, bei Frauen unter 50 Jahren auf regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen zu verzichten. Das liegt zum einen daran, dass im Alter das Brustkrebsrisiko steigt. Bei jüngeren Frauen ist die Wahrscheinlichkeit eines Tumors also deutlich geringer, weswegen die Strahlenbelastung mehrfacher Mammographien in keinem Verhältnis zum Nutzen steht. Zum anderen ist das Brustgewebe in jungen Jahren dichter. Die Mammographie ist daher nicht so aussagekräftig, weil auf den Bildern weniger zu erkennen ist.


Mammographie: Ergebnisse der Untersuchung
Die Bilder einer Mammographie sind nicht einfach zu interpretieren - wie bei jeder Röntgenuntersuchung wird das Gewebe in verschiedenen Graustufen dargestellt. Kleine Kalkablagerungen stellen sich zum Beispiel als weiße Flecken dar. Dieser Mikrokalk ist oft ein erstes Anzeichen für ein Mammakarzinom, kann aber leicht übersehen werden, falls die Flecken sehr klein sind. Das Screening wird daher nur in spezialisierten Zentren durchgeführt. In einigen Regionen Deutschlands sind auch mobile Untersuchungseinheiten unterwegs ("Mammobil"). Grundsätzlich schauen sich immer zwei Ärzte die Bilder an. Die Zahl an falschen Befunden soll so möglichst niedrig gehalten werden. Geben tut es sie trotzdem. Die Kooperationsgemeinschaft Mammographie hat Studien ausgewertet und daraus eine Statistik errechnet: Wenn 1.000 Frauen 20 Jahre lang regelmäßig am Screening teilnehmen, ist bei 300 von ihnen ein Befund verdächtig – in 250 Fällen stellt er sich dann allerdings bei weiteren Untersuchungen als harmlos heraus, und bei nur 50 Patientinnen entdecken die Ärzte tatsächlich Brustkrebs. Mit anderen Worten: Viele Frauen stehen nach einer Mammographie für einige Tage grundlos Ängste aus.
Mammographie - keine absolute Sicherheit
Gleichzeitig bietet eine Mammographie keine Sicherheit, da Brustkrebs durchaus während der zweijährigen Frist zwischen den Untersuchungen wachsen kann. Nach der Auswertung der Kooperationsgemeinschaft Mammographie ist das statistisch gesehen bei 15 von 1.000 Frauen der Fall. Ob der Tumor übersehen wurde oder erst nach dem Röntgen entstanden ist, lässt sich dabei nicht feststellen. Die entscheidende Zahl ist aber eine andere: Laut Statistik werden durch das Mammographie-Screening fünf Brustkrebs-bedingte Todesfälle pro 1.000 Frauen verhindert.
Mammographie - die Höhe der Strahlenbelastung
Kritiker führen jedoch an, dass die Strahlenbelastung durch die Untersuchung selbst das Krebsrisiko erhöhe, auch wenn die deutsche Strahlenschutzkommission die Werte für vertretbar halte. Bei der Mammographie betrage die mittlere Strahlung im Brustgewebe etwa 0,2 bis 0,3 Milli-Sievert (mSv). Zum Vergleich: Unser Körper ist einer natürlichen Strahlung ausgesetzt, die im Durchschnitt Werte von ungefähr 2,1 mSv pro Jahr erreicht.
Mammographie: Statistiken
Statistisch gesehen könnte unter den 1.000 Frauen, die 20 Jahre lang zur Mammographie gehen, ein zusätzlicher Krebsfall auftreten, haben die Experten errechnet. Genau wissen tun sie es allerdings nicht. Wie soll ein Arzt auch feststellen, wodurch genau ein Tumor entstanden ist? Die Grundlage all solcher Zahlen bilden Langzeitstudien, die beispielsweise nach den Atombombenabwürfen in Hiroshima durchgeführt wurden. Wie genau sich die Mammographie auf das individuelle Krebsrisiko auswirkt, weiß daher keiner. Noch ein Vergleich: Bei einem Flug von Frankfurt nach San Francisco und zurück kann die gleiche Strahlendosis erreicht werden wie bei einer Mammographie.
Mammographie: Gesamtbelastung möglichst klein halten
Was heißt all das aber nun für Frauen, die eine Einladung zur Mammographie erhalten? Sie können dadurch ihr Risiko, an Brustkrebs zu sterben, senken. Gleichzeitig sollten sie die Gesamtdosis an Strahlen, der ihr Körper ausgesetzt ist, so gering wie möglich halten, das heißt: unnötige Flugreisen – vor allem Fernreisen – vermeiden und auch jede geplante Röntgenuntersuchung hinterfragen. Haken Sie grundsätzlich bei Ihrem Arzt nach, ob es nicht auch ohne Röntgenbild geht, beispielsweise bei Rückenproblemen. Denn oft dient es dem Arzt nur zur Absicherung, und er könnte durchaus darauf verzichten.
Regina Passmann macht sich über Statistiken keine Gedanken mehr. "Selbst wenn nur eine Frau von einer Million durch die Mammographie gerettet werden könnte, wäre es mir recht", sagt sie. "Denn ich wäre diese eine Frau gewesen."

Autorin: Nicole Lücke

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05.03.2012 09:23
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