Rauchstopp mit der E-Zigarette: Anfangen aufzuhören

Freitag, 08.08.2014

Rauchen ist ungesund, rauchen tötet. Und: Rauchen muss man erst mal sein lassen können. Das weiß ich und mit mir wissen das schätzungsweise 19.999.999 rauchende Menschen in Deutschland. Aber ist die E-Zigarette ein probates Mittel, um damit aufzuhören? Ein Selbstversuch.

Gemütlich zum Kaffee, entspannend nach dem Mittagessen, gesellig nachts vor dem Club – Zigaretten waren lange, sehr lange mein ständiger Begleiter. Während meine Freunde schon vor Jahren schlau genug waren, mit dem Rauchen aufzuhören, habe ich munter weiter gequalmt. Bis zu dem Zeitpunkt, da sich mein subtiles Räuspern langsam, aber sicher in einen nicht mehr zu ignorierenden Raucherhusten verwandelt hat. Zeit, Tschüss zu sagen, dachte ich.

Doch dieses über Jahre hinweg antrainierte Verhaltensmuster – die Sucht – will erst einmal durchbrochen werden. Ich habe mich gefragt: Können mir E-Zigaretten den Ausstieg erleichtern? Wie funktionieren diese blinkenden, kuliartigen Gebilde überhaupt? Und ist "dampfen", wie es die Nutzer der elektronischen Zigarette bezeichnen, wirklich gesünder als rauchen?
E-Zigarette: So funktioniert der elektronische Glimmstängel

Metallisch und überraschend schwer fühlt sich die E-Zigarette in meiner Hand an. Ich versuche, sie wie eine Tabakzigarette zwischen Zeige-und Mittelfinger zu klemmen – funktioniert  nicht, war ja klar. Und auch die Funktion unterscheidet sich erheblich von der einer herkömmlichen Zigarette: Statt mit Tabak ist die E-Zigarette mit einem nikotinhaltigen Liquid gefüllt, das durch Ziehen am Mundstück mit Hilfe eines Verdampfers in den Mundraum bzw. die Lunge gelangt. Nicht nur die Geschmacksrichtung (keine Frage: Tabak natürlich), auch der Nikotingehalt kann nach Belieben dosiert werden. Ich entscheide mich für die Stärke, die ich von meinen Zigaretten gewohnt bin – wohl wissend, dass ich damit eine Sucht nach wie vor aufrechterhalte: die nach Nikotin.

Mögliche Risiken der E-Zigarette

Nicht nur das, Mediziner warnen vor den möglichen Schäden, die durch die Inhalation der mitunter unbekannten Inhaltsstoffe entstehen können. Und da keine allgemeine Kennzeichnungspflicht besteht, würden außerdem Produkte auf den Markt schwemmen, die minderwertig verarbeitet seien, so das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Generell sollten Interessierte daher auf Qualitätsmerkmale wie gute Verarbeitung, Produktionsdatum, Inhaltsstoffangabe, Herstellernachweis und CE-Kennzeichnung achten, erklärt Dac Sprengel. Er ist Verwaltungsleiter des E-Zigaretten-Herstellers "red-kiwi" und Vorsitzender des Verbands des eZigarettenhandels (VdeH). Das CE-Siegel zeige an, dass das Produkt den geltenden Anforderungen der europäischen Richtlinie entspricht, sagt er.

Doch auch wer eine E-Zigarette besitzt, die den wenigen bisher festgelegten Standards entspricht, belastet seine Gesundheit bis zu einem gewissen Grad. Das DKFZ macht in seinem 2013 erschienen Bericht darauf aufmerksam, dass das in allen E-Zigaretten enthaltene Propylenglykol, das für den Dampf verantwortlich ist, die Atemwege reizen kann. Bei einer – etwa durch das Rauchen – vorgeschädigten Lunge könne es zu Asthmaanfällen, starkem Husten oder gar Atemnot kommen.

Dampfen statt rauchen – die Chancen

Die E-Zigarette: praktisch zur Rauchentwöhnung oder ein zu großes gesundheitliches Risiko?

Das schlagende Argument, das trotzdem für die E-Zigarette spricht: "Eine elektronische Zigarette ist zwar keinesfalls ungefährlich, aber im Vergleich zur herkömmlichen Zigarette zumindest wesentlich ungefährlicher. Denn während in der Zigarette etwa zweitausend Substanzen enthalten sind, die über den Mund und die Lunge aufgenommen werden, besitzt die E-Zigarette nur ein paar wenige", erklärt Lungenfacharzt Dr. Rudolf Schnell aus München. Seiner Meinung nach sei der Gebrauch einfach das geringere Übel im Vergleich zum Rauchen. Besser sei es natürlich, ganz aufzuhören.

Dr. Schnell ist in seiner Arbeit als Lungenfacharzt täglich mit den Folgen des Rauchens konfrontiert. Stellt er bei einem rauchenden Patienten noch keinerlei gesundheitliche Schäden fest, so versucht er ihm klarzumachen, was auf dem Spiel steht – im wahrsten Sinne. "Wenn Sie im Spielcasino dank einer Glückssträhne jede Menge Jetons gewonnen haben, können Sie entweder nach Hause gehen oder Sie setzen alles auf 'Rot' und laufen Gefahr, alles zu verlieren – so ist das bei einem Raucher, bei dem ich noch keine Schäden festgestellt habe. 60 Prozent der Raucher leiden irgendwann an irgendeiner Erkrankung infolge von Rauchen."

"Was ist das denn?" Alltag mit dem Kuli

Seit sechs Wochen dampfe ich nun, statt zu rauchen. Habe ich in dieser Zeit nach einer Zigarette gegiert? Oh ja, denn das Dampfen ist dem Rauchen eben auch nur nachempfunden. Nachgegeben habe ich diesem Wunsch aber nicht. Der Plan, endlich ohne Zigarette jedweder Art durchs Leben zu gehen – oder besser: zu rennen – hält mich ab. Zu rennen? Korrekt, denn meine sportliche Kondition hat sich als erstes von den schweren Strapazen, die die Tabakzigarette mit sich gebracht hat, erholt.

Und auch neugierige Blicke und Fragen nach Gebrauch und Nutzen der E-Zigarette gehören zu meinem Alltag. Und so sehr ich mich über das ehrliche Interesse meiner Mitmenschen freue, liegt in ebendiesem doch etwas anstrengenden Umstand für mich wohl der große Vorteil der E-Zigarette begraben: Um nicht erst Zentrum der Aufmerksamkeit zu werden, muss ich nur eines tun – die E-Zigarette in meiner Tasche lassen. So dampfe ich automatisch weniger und nehme mittlerweile nur noch ein Drittel meiner vorherigen Nikotin-Ration zu mir.

Der Wille ist da. Ich war noch nie ein Spieler.

Text: MY

Dampfen statt rauchen? Ob die E-Zigarette dabei helfen kann, von der Nikotin-Sucht loszukommen? Wir haben es ausprobiert.

Wie auch die Frau auf diesem Bild greifen in Deutschland rund 2,5 Millionen Menschen regelmäßig zur E-Zigarette. Ob sie dabei helfen kann, sich das Rauchen abzugewöhnen, und wie gefährlich sie eigentlich ist, dem ist unsere Reporterin auf die Spur gegangen.

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08.08.2014 17:11
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