Frauenärzte warnen vor Bewegungsmangel

Samstag, 18.02.2017

Stubenhocker leben riskant. Bewegungsmangel ist eine zentrale Ursache für ein ganzes Bündel – teils lebensgefährlicher – Krankheiten. Daher schlagen jetzt auch die Frauenärzte Alarm und wollen Frauen zu körperlicher Ertüchtigung animieren.

Sport ist gesund. Er bringt dein Herz-Kreislaufsystem in Schwung, verbessert deine Ausdauer und stählt deine Muskeln. Doch er bewirkt noch mehr. So fördert er auf breiter Front die Gesundheit und ist ein probates Mittel gegen Übergewicht, Skelettleiden und sogar Krebs. Deshalb stellt sich die Ärztliche Genossenschaft GenoGyn eindeutig gegen Bewegungsmangel.

Faulenzen ist ein Fehler der Evolution

Wer sich körperlich betätigt, der tut etwas Gutes für Körper und Geist. Diese Erkenntnis geht mittlerweile locker als Gemeingut durch und dürfte auch dir bekannt sein. Doch etwas zu wissen und es schließlich zu tun, das ist nicht dasselbe und auch Dr. Jürgen Klinghammer, Frauenarzt und Vorstandsvorsitzender der Ärztlichen Genossenschaft GenoGyn, klar. Deshalb weist er ausdrücklich auf die Nachteile von Bewegungsmangel hin – quasi als Motivationsspritze. Dafür setzt der Mediziner bei einer grundsätzlichen Einsicht an.

iStock / G Point Studio

Der Mensch ist nicht für ständiges Sitzen gemacht.

Und die lautet in seinen Worten: "Der heutige Mensch ist nicht für körperliche Passivität geschaffen. Die Evolution hat ihn noch nicht an die überwiegend sitzenden Tätigkeiten der Zivilisationsgesellschaft angepasst, und ohne genügend Bewegung wird er krank." Um das zu untermauern, feuert er eine Breitseite von möglichen Leiden ab. Darunter sind Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Krebs und Diabetes. Damit nicht genug, kommen auch schwere Skelettleiden hinzu, ebenso Übergewicht und Adipositas. Die beiden letztgenannten Übel unterstreichen zudem das üble Zusammenspiel von unausgewogener Ernährung und fehlender Bewegung.

Bewegung schon von Kindesbeinen an 

Für Sport ist es fast nie zu spät. Auf jeden Fall aber nie zu früh, solange er ein vernünftiges Pensum nicht überschreitet. So plädiert GenoGyn für mehr Bewegung im Kindesalter und damit für eine "deutliche Intensivierung des Schulsports".

Keine schlechte Idee, zeigen doch Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Europa: Zwei Drittel der Jugendlichen und jeder dritte Erwachsene haben Nachholbedarf in Sachen körperliche Aktivität. Und damit ein ernstes Problem, denn die WHO führt in der Alten Welt etwa eine Million Todesfälle auf Bewegungsmangel zurück. In dieser Hinsicht kommt eine interessante Information aus Australien. Eine dort angesiedelte Studie ergab, dass Stubenhocken für Frauen ab 30 die Hauptursache für einen Herzinfarkt ist – und damit noch gefährlicher als Übergewicht, Rauchen und Bluthochdruck.

Kampf dem Rettungsring 

Doch genug der schlechten Nachrichten. Betrachten wir das Thema von seiner positiven Seite aus. Nach Ansicht von Experten genügen bereits täglich 30 bis 45 Minuten körperlicher Ertüchtigung, um für dich die bösen Folgen von Bewegungsmangel zu verhindern. Demnach sind Gartenarbeit, Schwimmen sowie intensive Spaziergänge gute Gegenmittel. Und wenn es dir Spaß macht, dann kommt für dich hier auch noch Golf ins Spiel. Andere Fachleute empfehlen dir hingegen mindestens 45 Minuten Sport, weil erst dann die Fettreserven des Körpers angegriffen werden. Und weniger Gewicht bedeutet eine bessere Figur. Das klingt doch gut.

iStock / Ridofranz

Bereits kurze Sporteinheiten sind gut für die Gesundheit.]

Auch die WHO macht Vorschläge gegen den Bewegungsmangel und favorisiert pro Woche zweieinhalb Stunden gemäßigte Aktivität, die Hälfte davon auch gern mit einem anstrengenden Programm. Die Präventionsexperten von GenoGym raten dir zu einem wöchentlichen Mix aus 150 Minuten moderatem Ausdauersport sowie bis zu drei Kraft-Übungseinheiten. Was davon ist für dich das Beste? Dr. Klinghammer: "Für jeden ist körperliche Aktivität lohnend, aber je nach Alter, gesundheitlicher Konstitution und sportlicher Vorgeschichte kann sie sehr unterschiedlich ausfallen. Generell ist zu empfehlen, mit einem Präventionsexperten ein individuelles Bewegungsprogramm aufzustellen, das sich nachhaltig in das Leben integrieren lässt." Für die Praxis hat der Frauenarzt ein paar Tipps für dich, wie "Treppensteigen statt Fahrstuhl fahren oder Telefonieren im Stehen."

Am Ende kommt es auf dich an 

Weitere Motivationshilfe will die Politik in Kooperation mit niedergelassenen Ärzten geben. Gemeint sind schriftliche Präventionsempfehlungen hinsichtlich Bewegung, Ernährung, Stressmanagement und Suchtmittelkonsum. Kein schlechter Vorschlag, aber auch nicht optimal, findet der GenoGym-Vorstand und kritisiert: "Ein ärztlicher Empfehlungsvordruck für eine Leistung, die Versicherte ohnehin bei ihrer Krankenkasse beantragen können, wird im Einzelfall die Motivation erhöhen, den Bewegungsmangel aber nicht erfolgreich bekämpfen." Am Ende hilft dir keine Diskussion und keine Studie wirklich weiter. Worauf es ankommt, ist die Erfahrung: Sport tut gut. Manchmal auch not. Also, fang damit an. Dein Körper wird es dir danken.

Bewegungsmangel ist für diverse Krankheiten verantwortlich.

Stubenhocker leben riskant! Jetzt warnen auch die Gynäkologen vor Spätfolgen.

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18.02.2017 08:00
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