Essstörungen: Wenn das Thema Essen zur Qual wird

Dienstag, 14.04.2015 Feven Berhane

In einer Zeit, in der Medien unsere Schönheitsideale bestimmen, dreht sich fast alles um einen perfekten, schlanken Körper. Schnell kommt da Unzufriedenheit auf und nicht wenige Frauen laufen Gefahr, in ein ungesundes und auch gefährliches Essverhalten abzurutschen. Wir geben Einblick in die Formen und Symptome von Essstörungen.

Es ist beängstigend, aber wahr: Immer wieder hört man vor allem junge Frauen den Wunsch nach einer Essstörung äußern. Sie jagen dem medialen Magerwahn hinterher und halten Essstörungen nicht selten für eine probates, wenn nicht sogar hippes Mittel, um dieses Ziel zu erreichen - oft ohne zu wissen, wie gefährlich und belastend Erkrankungen wie Bulimie oder Magersucht sind. Deshalb gleich vorab: Essstörungen sollten keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden. Oftmals gehen die Krankheiten auf tiefer liegende Ursachen zurück, die eine intensive ärztliche Behandlung erfordern.

Wenn von Essstörungen gesprochen wird, wird vor allem zwischen Bulimie und Magersucht unterschieden. Während sich bei den Einen Heißhungerattacken mit strengen Diäten oder Erbrechen abwechseln, stellen die Anderen das Essen fast gänzlich ein. Wichtig für eine erfolgreiche Behandlung ist, die Form der Essstörung frühzeitig zu erkennen. Das gestörte Essverhalten bei anderen zu bemerken ist meist einfach – sich selbst zu diagnostizieren jedoch sehr schwer.

Die Essstörung Bulimie

Bei der Krankheit Bulimie oder auch Ochsen- beziehungsweise Stierhunger handelt es sich namentlich in erster Linie um den charakteristischen Heißhunger. Laut der Homepage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sei ein Hauptsymptom, dass in sehr kurzer Zeit, große Mengen an Nahrung aufgenommen würden. Um diese Nahrungsaufnahme und dabei auch Kalorienzufuhr rückgängig zu machen, werde ein selbst herbeigeführtes Erbrechen erzwungen. In anderen Fällen wird stattdessen im Anschluss gehungert oder es werden Abführmittel missbraucht. Die extremen Diäten dienen  als Bestrafungsmaßnahme für die Heißhungerattacke. Hierbei entsteht ein gefährlicher Kreislauf aus Heißhunger und Erbrechen beziehungsweise Null-Diät.

Die regelmäßigen, aber auch unregelmäßigen Essattacken können zwar auf psychische Ursachen zurück, jedoch sind die genanuen Ursachen bislang ungeklärt. Mögliche Ursachen können neben psychischen Problemen beispielsweise auch Stress sein. Im Moment der Attacke hat der Betroffene das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, wofür er sich im Anschluss schämt, daher die Bestrafung in Form der auferlegten Diät oder dem Erbrechen. Die Bulimie ist wohl die tückischste Form der Essstörung, denn sie macht sich äußerlich oft kaum bemerkbar, da die Betroffenen oft ein unauffälliges Normalgewicht halten.

Essstörungen_shutterstock

Anorexia nervosa oder die Essstörung Magersucht

Bei der im Volksmund bekannten Magersucht sagt der Name bereits einiges über die Essstörung aus: Betroffene sind an ihrem Untergewicht zu erkennen. Klinische Untersuchungen können meist schon Näheres über den Krankheitsgrad aussagen, beispielsweise die Bestimmung des Body-Mass-Index. Liegt der oder die Erkrankte mindestens 15 Prozent unter dem Normalgewicht, wird von Magersucht gesprochen.

Die Magersucht setzt dabei nicht automatisch voraus, dass Betroffene sich "aushungern", ebenso wie bei der Bulimie gibt es bei der Magersucht einige Variationen, die von Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln, Anwendung von Klistiers (ein Instrument mit Flüssigkeit, dass rektal eingeführt wird, um eine Darmentlehrung herbeizuführen) bis hin zu exzessivem Sporttreiben reichen. Das Ironische an dieser Krankheit beschreibt Autorin Alexa Franke in ihrem Buch "Wege aus dem goldenen Käfig, Anorexie verstehen und behandeln" sehr treffend: "Die anorektische Frau lehnt das Essen ab und beschäftigt sich doch mehr damit als die meisten Gourmets. […] Sie lehnt ihren Körper ab, konzentriert sich jedoch in all ihrem Denken und Handeln auf ihn."

Die Gedanken kreisen nur um Essen und den eigenen Körper, der als unzureichend wahrgenommen wird. Die Magersucht ist daher gleichzeitig eine Körperschema-Störung. Von einer solchen Störung wird gesprochen, wenn der oder die Betroffene keine Verbindung zum eigenen Körper mehr herstellen kann. Das heißt, dass Körperempfindungen nicht mehr korrekt wahrgenommen werden. Diese Störung verdeutlicht sich am Selbstbild der Erkankten: Betrachtet sich eine an Magersucht leidende Frau im Spiegel, sieht sie in ihrem Gegenüber eine dicke Person. Ihre Selbstwahrnehmung hätte schließlich keinen realen Bezug mehr und solle daher unbedingt psychologisch betreut werden, empfiehlt das Gesundheitsportal essom.com.

Essstörungen unbedingt therapieren

Ärzte und Psychologen setzen laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zur Behandlung von Essstörungen oftmals auf eine multimodale Therapie, also eine Behandlung, bei der mehrere Therapieansätze gleichzeitig angewandt werden. In einigen Fällen habe sich ein familien-therapeutischer Ansatz als sinnvoll herausgestellt. Dies bedeutet, dass die Familie als soziales System im Zentrum der Behandlung steht.

Im Einzelfall weiß der behandelnde Psychologe oder Arzt am besten, was bei einer Essstörung zu tun ist. Das setzt jedoch den wohl die schwierigsten Schritt voraus: nämlich zu erkennen, dass man krank ist. Falls Sie Auffälligkeiten in ihrem Umfeld bemerken oder gar bei sich selbst, scheuen Sie sich nicht, Hilfe zu holen.

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Essstörungen gehen meist mit einer Körperschema-Störung einher.

Dieses Bild verdeutlicht nur zu gut, was eine Körperschema-Störung im Rahmen einer Essstörung bedeutet: Betroffene sehen sich im Spiegel als dick, obwohl sie in der Realität bereits abgemagert sind. Bei ihnen ist die Wahrnehmung des eigenen Körpers gestört.

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