Capoeira: Kampfkunst trifft Rhythmus

Mittwoch, 05.08.2015

Capoeira ist ein brasilianischer Kampfkunst-Tanz, der mittlerweile auch in Europa auf große Beliebtheit stößt. Denn neben dem Kampfkunst-KnowHow, eignet sich der einzigartige Stil vom Zuckerhut auch für intensives Muskeltraining.  

Der ausgefallene Trainingsstil aus Brasilien vereint derart viele unterschiedliche Bewegungs-Elemente in sich, dass man zunächst ungläubig mit dem Kopf schütteln mag: Capoeira enthält Techniken, die an asiatische Kampfkünste erinnern, Bewegungselemente aus afrikanischen Tänzen, beeindruckende Akrobatik und Auszüge aus dem Breakdance. Hier sollte also für jedermann etwas dabei sein, doch eignet sich das Training auch für Anfänger? 

Die Sklaverei: Die Geschichte des Capoeira 

Capoeira ist lediglich in europäischen Augen ein neuartiger Trend, denn eigentlich gibt es den Kampfkunst-Stil, der tanzend ausgeführt wird, schon seit circa 300 Jahren. Aus der Kreuzung verschiedenster afrikanischer Tänze und Kulturen entstand in Brasilien Anfang des 18. Jahrhunderts die ursprüngliche Form der Kampfkunst oder auch des Kampftanzes Capoeira. Der Geschichte nach sollen afrikanische Sklaven versucht haben, sich mit Hilfe von Capoeira gegen Sklavenherren und Sklavenjäger zu verteidigen. Um ihr Training vor den Sklavenherren oder anderen Feinden zu tarnen, führten sie die Bewegungen tanzend aus. So begann Capoeira ein Symbol der Freiheit zu werden, weshalb es schließlich offiziell verboten wurde. Lediglich im Untergrund entwickelte sich der Stil weiter und fand Pioniere wie Mestre Bimba (1899-1974) oder Mestre Pastinha (1898-1981), die heute in Brasilien fast schon Kultstatus besitzen.  

Wie funktioniert Capoeira? 

Beim Capoeira bilden die sogenannten Capoeiristas (die Krieger oder auch Tänzer) einen Kreis, der "Rhoda" genannt wird. In der Regel treten in deren Mitte zwei Kontrahenten gegeneinander an: Sie sind gleichzeitig Gegner und Partner, in ständiger und fließender Bewegung. Doch halten sich jegliche Bewegungen der Kampfkunst stets theoretisch. Das bedeutet, die zwei Capoeiristas, die im Rhoda gegeneinander antreten berühren sich nie. So bleibt Capoeira nicht nur ausgefallen, sondern auch noch ungefährlich für die Kämpfer.  

Sie greifen auf ein weites Repertoire an Bewegungselementen und -kombinationen zurück. Alle Bewegungen gehen dabei von der "Ginga" aus, dem Grundschritt des Capoeira. Hierbei werden die Beine leicht gebeugt, ein Bein wird nach hinten versetzt und die Zehen zeigen nach vorn. Zwischen den Beinen liegt etwa ein Meter Abstand, die Arme und Hände werden schützend vor das Gesicht gehalten. Eine weitere Übung nennt sich "Esquiva": Bei dieser Bewegung wird vorab aus dem Stand ein Ausfallschritt zur Seite gemacht, wobei das eine Knie sich beugt, dennoch nicht weiter als zu den Zehenspitzen. Danach drückt das das gebeugte Knie sich kraftvoll ab und so wird in die Ausgangs-Position zurückversetzt, wobei das Standbein die Bewegung entschleunigt. Eine weitere Übung nennt sich "Abdominais", die im Liegen ausgeführt wird und außerdem noch ein Tuch oder Seil benötigt wird. Das Seil oder Tuch wird etwas weiter als schulterbreit gegriffen. Anschließend streckt man Arme und Beine in die Höhe und zieht langsam die Beine an und schiebt dabei die Arme mit dem Tuch über die Füße. Die untere Hüftpartie und die Schultern heben sich dabei vom Boden ab.

Die beiden genannten Übungen trainieren vor allem die Bauch- Bein und Gesäßmuskeln. Weitere Capoeira-Übungen finden Sie hier.

Capoeira wird ausschließlich zu einer speziellen Capoeira-Musik praktiziert. Hier kommen Instrumente wie der Birimbau zum Einsatz: ein Seiten- und gleichzeitig Schlaginstrument, welches den Rhythmus vorgibt. Die Spieler der Capoeira-Musik nehmen nicht nur rhythmisch eine zentrale Rolle ein, sondern sind ebenso im "Rhoda" zentral platziert und für die Zuschauer sichtbar. 

Wie Capoeira den Körper und Geist trainiert 

Die Capoeira-Kunst trainiert sämtliche Körperbereiche, besonders die Bauch-, Beine-, Po- und Rückenpartie. Daneben schulen die Bewegungskombinationen Koordination und Beweglichkeit. Durch ständige Konzentration und Achtsamkeit auf den Mitspieler bzw. Gegner werde der Geist laut der Capoeira-Philosophie außerdem frei und stark. 

Pionier Mestre Bimba stellte in seiner ersten Capoeira-Akademie, die 1932 in Brasilien gegründet wurde, außerdem einige Regeln auf, die Körper und Geist zusätzlich schulen sollen. Dazu gehören neben dem täglichen Capoeira-Training: stets wachsam sein, auf Alkohol und Zigaretten verzichten, und lernen, mit Furcht umzugehen.  

Blutiger Anfänger: Wie beginnt man mit Capoeira? 

Capoeira

Mittlerweile finden sich im Internet einige Seiten, die leichte Capoeira-Übungen für zu Hause bereitstellen. Dennoch wird empfohlen, sich nach einer Capoeira-Schule oder einem solchen Workshop umzusehen, um die Kampfkunst von der Pike auf korrekt zu erlenen. In den Kursen werden nicht nur Bewegungsabläufe trainiert, die Teilnehmer werden ebenso in die Philosophie der Capoeira-Kunst eingeführt. In professionellen Schulen, Workshops oder Akademien belaufen sich die monatlichen Kosten für den brasilianischen Kampf-Trend auf ungefähr 50 Euro. 

Capeoira ist in seinen Wurzeln stark mit der Musik verankert, deshalb spielt die Capoeira-Musik auch so eine zentrale Rolle bei der Kampfkunst. Es wird mit dem Rhythmus "gekämpft" und interagiert. Wer nun von sich behaupte, absolut kein Taktgefühl zu besitzen, sollte sich eventuell erst eine Probestunde gönnen, bevor er sich an einer Capoeira-Schule verbindlich anmeldet. Ansonsten ist Capoeira für jedermann in jedem Alter geeignet und benötigt in keinerlei Hinsicht Vorkenntnisse. 

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Capoeira ist der ultimative Sport-Trend vom Zuckerhut.

Bewegungselemente aus Afrika, Asien und Amerika vereinen geht nicht? Doch, sehr wohl! Denn all das verspricht Capoeira, vermischt mit einer ordentlichen Portion Rhythmus.

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