Anti-Burnout-Tipps – "Erwartungshaltungen loslassen"

Mittwoch, 02.05.2012

Die Autoren des "Anti Burnout Buchs" im Interview über Warnzeichen, Auslöser und Möglichkeiten zur Prävention des extremen Erschöpfungszustands.

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Karriere, Familie, Stress, Verpflichtungen - irgendwann war alles zu viel. Die Unternehmer und Autoren Oliver Fritsch und Michaela Lang standen vor nicht allzu langer Zeit selbst kurz vor dem Burnout. Aus der eigenen Praxis heraus entwickelten sie Strategien und clevere Verhaltensweisen, um Stressfaktoren zu reduzieren und trotzdem ihre Ziele zu erreichen. Nun geben sie ihr Wissen in Buchform weiter. In "Das Anti Burnout Buch - Die wirksamste Strategie zur Stressbewältigung" (erschienen im mvg Verlag; ca. 15 Euro) zeigen sie auf, was uns in den Burnout treibt, was uns im Stress festhält und was uns hilft, diesen Zustand zu verändern. Im Interview sprechen Sie über Warnzeichen, Auslöser und Möglichkeiten zur Prävention.
1. Wie kann man selbst erkennen, dass man sich auf dem Weg zum Burnout befindet?

Burnout entsteht in der Regel durch ständige Überlastung oder weil man sich viel mehr zumutet als man körperlich und emotional leisten kann. Man gönnt sich keine Pausen oder Ruhezeiten mehr und brennt regelrecht aus. Alarmsignale im Vorfeld sind etwa länger anhaltende Schlafstörungen oder Konzentrationsmangel, zunehmende Gereiztheit, regelmäßige Erschöpfungszustände, immer wiederkehrende Krankheiten, das ständige Gefühl, nur noch zu funktionieren und nicht mehr zu leben oder seine Aufgaben nicht mehr zu schaffen, sowie sozialer Rückzug.


Welche Anzeichen deuten darauf hin, dass man bereits mittendrin ist?

Wer einen Burnout erleidet, wird das sicher nicht übersehen, denn dann geht wirklich gar nichts mehr. Man kommt im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr aus dem Bett und ist zu nichts mehr fähig. Alles erscheint einem nur noch schwarz, man hat keine Erfolgserlebnisse mehr und Gleichgültigkeit und Hoffnungslosigkeit machen sich breit.
Symptome, die auch charakteristisch für eine Depression sind. Was unterscheidet ein Burnout von einer Depression?

Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass der Weg in den Burnout zwar mit mehr oder weniger depressiven Stimmungen einhergeht, diese aber in der Regel nur zu einem von vielen verschiedenen Symptomen gehören. Erst der Burnout selbst, also der Totalausfall, kann dann in einer handfesten Depression enden. Andersherum ist bei Menschen, die mit depressiven Stimmungen unseren Rat suchen, nicht immer Burnout der Auslöser. Burnout kann also eine von vielen möglichen Ursachen einer Depression sein, genauso wie zum Beispiel eine genetische Veranlagung oder traumatische Erlebnisse.
Welche Faktoren führen zum Burnout, bzw. wie kann man vorbeugen?

Glücklicherweise sind wir in der heutigen Zeit ja völlig frei, zu entscheiden, was wir tun wollen oder nicht, und wir müssen uns in der Regel zu nichts zwingen lassen. Auch wenn wir das jetzt nicht gerne hören möchten, so heißt das in der Konsequenz, dass es letztlich an uns selbst liegt, unser Verhalten zu ändern, unsere Ängste zu überwinden und unerfüllte Erwartungshaltungen loslassen zu können. Man muss ja nicht auf jeder Hochzeit tanzen, auch wenn dies von den Medien und falschen Freunden oft suggeriert wird.
Was halten Sie von kurzen Auszeiten wie Wellnessbehandlungen oder Yoga zur Prävention?

Kurze Auszeiten wie ein Wellnesswochenende, eine Massagereihe, ein Yoga Kurs oder auch ein Kurzurlaub tun zwar erst mal gut, aber sie verschleppen letztendlich das Problem nur, wenn man hinterher weitermacht wie zuvor. Um eine drastische Verhaltensänderung im Alltag kommt keiner herum.
Ist das ein Problem der heutigen Gesellschaft oder existierte die Krankheit schon immer?

Selbstverständlich gab es früher auch schon Überlastung oder Stress, aber man ist anders damit umgegangen. Hat es jemand nicht mehr ausgehalten, wurde er halt krank und hat sich entweder ins Bett gelegt und auskuriert oder er hat weiter gemacht bis er zusammengebrochen ist und weggetragen wurde. Entscheidend anders im Vergleich zu früher ist heute die Art der Tätigkeit und die täglich auf uns einströmende und zu verarbeitende Informationsflut, die eine ganz neue Art von Stress erzeugt. Heute sind wir praktisch nur noch Kopfarbeiter und versuchen, die vielen Informationen und Möglichkeiten in den Griff zu bekommen und bewegen uns viel zu wenig, was dem Wohlbefinden zusätzlich schadet und kaum Möglichkeit bietet, den Stress physisch abzubauen.

Die Autoren des "Anti Burnout Buchs" im Interview über Warnzeichen, Auslöser und Möglichkeiten zur Prävention des extremen Erschöpfungszustands.

Jaja, jeder hat sein Päckchen zu tragen ... aber lassen Sie es nicht zu groß werden.

 

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