Abnehmen: Interview mit Maria Sanchez – Sehnsucht und Hunger

Montag, 09.05.2011

Genussvoll alles essen können - und trotzdem abnehmen. Das ist der Wunsch einer jeden Frau. Die Therapeutin Maria C. Sanchez verrät im Interview, wie's funktionieren kann.

Maria Sanchez war selbst jahrelang stark übergewichtig - fand aber aus dem Teufelskreis heraus, als sie ihre persönlichen Gründe dafür erkannte. Seitdem ist sie überzeugt davon, dass bei einem echten Essproblem immer tiefere seelische Ursachen zugrunde liegen.

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In ihrem Buch "Sehnsucht und Hunger" (Envela, 19,90 Euro, bestellbar z. B. über amazon.de) beschreibt die Therapeutin die Grundlagen des "emotionalen Essens" und macht Mut, nicht weiter am Symptom Übergewicht herumzudoktorn, sondern stattdessen Grundlegendes im Leben zu ändern.

Frau Sanchez, was verbindet Sie mit dem Thema "Sehnsucht und Hunger"?

In erster Linie meine eigene Erfahrung. So, wie ich mich heute in meinem Körper wohlfühle, war das nicht immer. Hinter mir liegt ein langer Weg. Ich musste viel ausprobieren und Erfahrungen sammeln, bis ich für mich das Konzept "Sehnsucht und Hunger" entwickelte und merkte, dass es außer mir noch viele andere Menschen mit derselben Problematik gibt.

Wer waren Sie, bevor Sie das Problem bei der Wurzel gepackt haben?

Ich war 30 Kilo schwerer als heute und gefrustet vom Misserfolg aller Diäten, die nie langfristig halfen. Ich erinnere mich gut an die eigene innere Verzweiflung und an das Gefühl, beim Essen fremdgesteuert zu handeln. Das Gefühl des immer wieder Versagens und die Angst, den eigenen Vorstellungen niemals zu entsprechen, kann ich bei meinen Klienten daher sehr gut nachempfinden.

War das der Ursprung von "Sehnsucht und Hunger"?

Ich war es leid, mich mit Diäten zu quälen und mir Dinge zu verbieten. Ich hatte das Gefühl, alles, was ich ausprobierte, war nie von dauerhafter Lösung. Das Verlangen nach mehr Essen verließ mich nie vollständig. Ich lernte zwar meine Verhaltensmuster kennen, aber dauerhaft dünner wurde ich davon nicht. Irgendwann beschäftigte ich mich mit der Frage: Warum esse ich, wenn ich eigentlich keinen körperlichen Hunger verspüre? Und wo sitzt der "Hunger" genau? Ich entdeckte, dass es zwischen körperlichem und emotionalem Hunger einen fühlbaren Unterschied gibt und brachte mir bei, diesen Zustand richtig zu deuten. Erst als ich den Körper mit einbezog, fand ich meinen Ausweg.

Was ist emotionaler Hunger?

Emotionaler Hunger ist ein Drang, seelische Bedürfnisse durch Essen zu stillen. Die meisten meiner Seminarteilnehmer empfinden einen niemals endenden Sog in ihrem Hals oder in der Brust. Anstatt das ständige Verlangen nach Essen und damit unsere seelischen Bedürfnisse zu ergründen und zu verstehen, nehmen wir mehr Nahrung auf, als unser Körper eigentlich braucht. In diesen Momenten stopft das Essen unsere unerfüllten Bedürfnisse. Der Drang nach Essen hat viel mit spannungsreichen Gefühlen zu tun, und Gefühle lassen sich nur durch das Empfinden im Körper spüren und entschlüsseln. Das Konzept "Sehnsucht und Hunger" war mein Schlüssel. Ich übernahm wieder Verantwortung für meinen Körper und entschied selbst, was ich brauchte und was nicht. Indem wir uns von Diäten steuern lassen, geben wir die Verantwortung für uns wieder ab.
Was ist so einzigartig an Ihrer Methode?

Es wird nichts verboten. Meinen Klienten werden keine Diäten oder Punktetabellen zugeteilt, an die sie sich zu halten haben. Nur ohne körperlichen Zwang und ohne Diät, sondern mit Ursachenforschung kann man emotionales Essen heilen und lösen. Den Weg aus dem Essensteufelskreis findet man nur, indem man wieder lernt, ein Gespür für den eigenen Körper zu entwickeln und Verantwortung für sich und seinen Körper zu übernehmen. Das Entscheidende ist, als erstes zu erkennen, ob der Hunger emotional oder körperlich bedingt ist.
Heißt das, ich darf alles essen?

Was sie wollen. Sie lernen nicht zu vermeiden, sondern zu ergründen und zu empfinden. Das ist der Unterschied. Sie sollen einen Bezug zu Ihrem Körper herstellen. Der verrät Ihnen schon genau, was richtig für Sie ist und was Sie für sich und ihre Seele brauchen. Jedes anormale Essverhalten hat seine Wurzeln in den Tiefen der Psyche. Nur wenn hier angesetzt wird, kann dauerhaft von einem zwanghaften Essverhalten geheilt werden. Diäten bekämpfen in diesem Fall nur das Symptom des Problems, niemals die Ursache. Im Laufe der Seminare erlernen meine Klienten, einen eigenen, individuellen Weg zu finden, den sie selbst im Alltag umsetzen können.


Dann sind Sie eine Gegnerin von Diäten?

Ja. Ich glaube, den meisten Menschen, die unter Essproblemen leiden, helfen keine Diäten. Das ist meine persönliche Erfahrung, und das sehe ich auch immer wieder an meinen Seminarteilnehmern. Mit Sicherheit mag es eine Randgruppe geben, bei der Diäten wirken. Das muss und soll auch jeder Mensch für sich selbst herausfinden. Ich will niemandem meine Methode aufzwingen. Nur bin ich durch meine Erfahrung der Überzeugung, dass der emotionale Rückstand durch Diäten nicht gelöst wird, sondern das Gegenteil passiert - er wird größer.

Maria Sanchez wurde 1969 in Malaga geboren und kam mit fünf Jahren nach Hamburg, wo sie bis heute lebt. Als früher selbst übergewichtige Frau entwickelte sie nach langem Experimentieren und Suchen die Methode "Sehnsucht und Hunger", mit der sie inzwischen erfolgreich Seminare hält und Bücher schreibt.

Sehnsucht und Hunger

Die Therapeutin Maria C. Sanchez hat ein Buch über den inneren Weg zum Wohlfühlgewicht geschrieben: "Sehnsucht und Hunger". Auf fem.com erzählt sie mehr über ihre ungewöhnliche Abnehm-Methode.

 

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