5 Vegetarier-Mythen auf dem Prüfstand

Montag, 19.12.2016

Auf Fleisch verzichten? Da sind doch Mangelerscheinungen vorprogrammiert. Diese und viele weitere Vegetarier-Mythen halten sich hartnäckig. Aber stimmen sie wirklich? Hier findest du Antworten auf die fünf wohl größten Gerüchte rund um vegetarische Ernährung.

Es ist wirklich erstaunlich, wie gut sich die Vegetarier-Mythen auch heute noch halten – trotz zahlreicher Bücher und Informationsquellen sowie vielfältige Fleisch-Alternativen. Gibt es trotzdem Grund zur Sorge?

Vegetarier-Mythen: "Die haben doch alle Eisenmangel"

Es stimmt, dass viele Fleischprodukte wie beispielsweise Leber die besten Eisenlieferanten sind. In ihnen steckt jede Menge des wertvollen Spurenelements, das der Körper obendrein auch noch viel einfacher verwerten kann als das Eisen, das in vegetarischen Lebensmitteln steckt. Der Grund: Pflanzliches Eisen ist drei- statt zweiwertig. "Dreiwertiges Eisen aus pflanzlichen Quellen nimmt der Körper schlechter auf. Die Bioverfügbarkeit ist gering", berichtet Professor Daniel König, Ernährungsmediziner an der Universität Freiburg der "Apotheken Umschau". Auf die Frage, ob man sich als Vegetarier deshalb Sorgen über seine Nährstoffzufuhr machen müsse, weiß er aber zu beruhigen: "Ihr Bedarf lässt sich trotzdem problemlos mit vegetarischer Kost decken." Ernähren sich Vegetarier ausgewogen und integrieren Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen und Bohnen in ihren Speiseplan, ist ein Eisenmangel nicht zu befürchten.

"Ein Vitamin-B-12-Mangel ist vorprogrammiert"

Zu den teilweise zutreffenden Vegetarier-Mythen gehört die Aussage, dass Menschen, die auf Fleisch verzichten, häufiger unter Vitamin-B-12-Mangel leiden. Der Grund: Nennenswerte Mengen der Cobalamine kommen tatsächlich nur in tierischen Lebensmitteln vor. Die gute Nachricht ist, dass auch Milch, Käse und Eier Vitamin B 12 enthalten. Lakto-Vegetarier können also ihren Bedarf durch das Verspeisen dieser Lebensmittel decken. Werden diese Nahrungsmittel jedoch ebenfalls gemieden, wird es tatsächlich eng. "Veganer sind prädestiniert für eine Unterversorgung und müssen Vitamin B 12 als Nahrungsergänzung zu sich nehmen", so König.

"Vegetarier leben länger"

Fest steht: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist gut fürs Herz

Fest steht: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist gut fürs Herz.

Diesen vermeintlichen Mythos liest man immer wieder: Vegetarier leben länger als Fleischliebhaber. Der Grund: Ihre Ernährung ist gesünder. Das stimmt bedingt. Menschen, die bewusst auf Fleisch und Co. verzichten, erkranken tatsächlich seltener an Krebs oder erleiden weniger häufig einen Herzinfarkt. Das nur auf die Ernährung zurückzuführen, sei jedoch laut den Ernährungsexperten ein Trugschluss. Denn oftmals leben Vegetarier auch insgesamt gesünder, verbringen mehr Zeit an der frischen Luft und rauchen weniger. Trotzdem esse der Durchschnittsdeutsche in der Regel schlichtweg zu viel Fleisch und das ist wiederum ungesund. Es geht abermals um die ausgewogene Ernährung, bei der Gemüse nicht bloß ab und an auf dem Teller landen sollte.

"Pflanzenkost liefert zu wenig Eiweiß"

Insbesondere Sportler machen sich viele Gedanken um ihre Eiweißzufuhr. Schließlich können Muskeln erst richtig gut aufgebaut werden, wenn der Körper genug Proteine zu sich nimmt. Dass das allerdings nur mit Fleischkonsum möglich ist, bleibt ein Trugschluss. "Soja, Hülsenfrüchte oder Nüsse enthalten eine vergleichsweise hohe Menge an Aminosäuren und können den Eiweißbedarf problemlos decken", stellt Professor Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung fest. Diese hochwertigen pflanzlichen Eiweiße reichen aus, um den täglichen Bedarf des Menschen zu stillen. Überhaupt: Viele der beliebten Eiweiß-Shakes, die Sportler zu sich nehmen, bestehen aus Soja – und das ist nun mal rein pflanzlich.

"Fleischersatzprodukte können doch nicht gesund sein"

Vegetarier sollten zu unbehandelten Produkten greifen – die sind gesünder

Vegetarier sollten zu unbehandelten Produkten greifen – die sind gesünder.

Das leitet zum letzten der Vegetarier-Mythen über: Viele Menschen glauben, dass die vielfältigen Fleischersatzprodukte ungesund sind. Und so richtig falsch liegen sie damit nicht. Eine Untersuchung der Stiftung Ökotest zeigt, dass die fleischfreien Alternativen zuweilen übermäßige Mengen an Zucker, Salz und Fett enthalten. Fast jedes zweite Produkt fiel im Test durch. Als Faustregel gilt laut Professor König: "Je stärker das Produkt verändert ist, desto ungesünder wird es in der Regel." Deshalb rät er Vegetariern, sich an Rohstoffe zu halten wie zum Beispiel Soja, Seitan oder Tempeh. Außerdem sei es sinnvoll, einen Blick auf das Etikett zu werfen, um sich über die Inhaltsstoffe des Produkts bewusst zu werden.

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Es gibt viele Mythen rund um die Ernährung ohne Fleisch – doch welche sind wahr?

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19.12.2016 11:42
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