Neue Stilikonen: Chloë Sevigny
Gut gestylter Taugenichts
Eine der erstaunlichen Erkenntnisse der Stilgeschichte ist es, dass es nicht nur früher klassische "socialites" gab, die durch nichts als ihre physische Präsenz an Partys für Aufsehen sorgten, sondern dass es diese Gattung auch heute noch gibt. Es gibt heute sogar mehr denn je davon, und eine der interessanteren dieser gut aussehenden und gestylten Taugenichtse ist ohne Zweifel Chloë Sevigny.
Früh zog es Chloë Sevigny in die Schauspielerei - der Weg führte, wie so oft, über Manhattan und Gelegenheitsjobs als Model. So stand sie für den schwedischen Modekonzern Hennes & Mauritz vor der Kamera oder liess sich für die Kollektion der Sonic-Youth-Frontfrau Kim Gordon in Szene setzen.
Parallel jobbte sie als Jungredakteurin für das Teenie-Magazin "Sassy". Auf der Leinwand debütierte Chloë Sevigny im Skandalfilm "Kids" (1995) von Larry Clark. Einen Skandal provozierte sie auch in "The Brown Bunny" (2003), weil sie darin in einer ausführlichen und relativ deutlichen Fellatioszene mit ihrem damaligen Freund Vincent Gallo zu sehen ist. Mit der Rolle eines scheuen Bücherwurms in David Finchers Film "Zodiac" bügelte sie diesen kleinen Karriereknicks wieder halbwegs aus.
Ob auf den Knien herumrutschend oder auf eigenen Beinen stehend: Chloë liebt die gepflegte Provokation. Und so kleidet sich das New Yorker It-Girl, das inzwischen eine East-Coast-Ikone geworden ist, auch: Sie liebt den gekonnten Stilbruch, kombiniert Abendkleider zu Sportjacken oder trägt mit aller Coolness auch superkurze Röcke - vorläufig hat sie ja noch die Beine dafür.
Ihre Selbsteinschätzung: "Die Leute meinen offenbar, ich sehe intelligent aus. Eine glamouröse Frau habe ich bisher in keinem Film gespielt. In Hollywood gelte ich eben nicht als schön, also wird mir diese Rolle nicht angeboten." ("Frankfurter Allgemeine Zeitung")
Ihr Look: Eklektisch und experimentell, bunt und sexy - Chloë hat keine Angst davor, dass ihr die Modekritiker der Welt auch mal gehörig ans Bein pinkeln, und wagt stets Neues, teilweise auch Eigenartiges!
Ihre Marken: Miu Miu, Opening Ceremony, Luella, Chloé, Burberry, Gepäck von Sponsor Samsonite.
Was man von ihr lernen kann: "Ich sehe relativ gewöhnlich aus. Aber indem ich ein verrücktes Outfit anziehe, wirke ich nicht so langweilig und normal." ("Surface Magazine")
Jeroen van Rooijen
Lust auf mehr?In seinem Buch "Carla, Grace oder Kate? Stil-Ikonen und was Frau von ihnen lernen kann" (orell füssli Verlag, 19,90 Euro, bestellbar z.B. über www.amazon.de) gibt Autor Jeroen van Rooijen eine weibliche Typenkunde anhand öffentlicher Vorbilder - von Audrey Hepburn über Grace Kelly bis zu Kate Moss und Carla Bruni.
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Chloë Sevigny hat sich zur East-Coast-Ikone gemausert. Sie liebt den gekonnten Stilbruch und erscheint auch schon mal mit der alten Wrangler-Jeansjacke auf dem Roten Teppich. Hier hat sie sich allerdings ein Kleid von Marios Schwab ausgesucht.
Foto: AFP













