Maison Martin Margiela

Der Meister des Inkognito

Er ist einer der einflussreichsten Designer der letzten zwei Jahrzehnte: Martin Margiela. Er selbst bleibt ein Phantom.

"Jeder ist beeinflusst von Comme des Garçons und Martin Margiela. Jeder der sich bewusst ist, was es bedeutet, in der heutigen Welt zu leben, ist von ihm beeinflusst", erklärte Designer Marc Jacobs in "Women's Wear Daily". Seit nunmehr 20 Jahren krempelt der eigenbrötlerische Martin Margiela die Modewelt um und beeinflusst große Namen, wie es vorher wohl nur Yves Saint Laurent und Coco Chanel vermocht haben. Nach seinem Studium an der Antwerp Academy und seiner Tätigkeit als Assistent bei Jean-Paul Gaultier gründete Margiela 1988 zusammen mit Jenny Meirens die Maison Martin Margiela. Seit 2002 hat Renzo Rosso mit seiner Diesel-Gruppe die Aktienmehrheit an Margielas Neuf-Gesellschaft.

Das Prinzip des No-Logos


Von Anfang an wurde das Inkognito-Prinzip zum Kern von Margielas Philosophie: Er will die Aufmerksamkeit nicht von seinen Produkten ablenken und tritt deshalb nie öffentlich auf. Es gibt keine Bilder (die New York Times ergatterte einen Schnappschuss aus dem Jahr 1997, den sie im letzten Herbst veröffentlichte) und Interviews gibt Margiela nur per E-Mail oder Fax.

Bei seinen Produkten verzichtet er auf Labels mit Schriftzug oder Logo: Er etikettiert seine Stücke nur mit einem schlichten weißen Rechteck, das mit weißem Faden und vier Stichen an die Innenseite des Kleidungsstückes genäht ist. Darauf stehen meistens Zahlen, mit denen Margiela seine Kollektionen durchnummeriert. Insgesamt 24 will er entwerfen, bis jetzt sind es zehn.

Sein Inkognito-Prinzip übertragt Margiela auch auf seine Models: Bei seinen Schauen und seiner Werbung wahrt er die Identität der Models durch künstliche Haar-Ponys, Strumpfmasken oder schwarze Balken - nichts lenkt von seiner Mode ab.

Dekonstruktivismus in der Mode


Die Farbe Weiß spielt für den belgischen Designer eine zentrale Rolle, weil sich auf ihr die Spuren der Zeit am deutlichsten abzeichnen - erst die individuelle Nutzung macht das Kleidungsstück einzigartig. Auch durch die Verwendung bestimmter Materialien wird das Vergehen von Zeit zum Thema. Gebrauchte Materialien als stumme Zeugen von Vergangenem ermöglichen die Entstehung neuer Produkte: Aus wollenen Militärsocken wird ein Pullover, aus Porzellanscherben eine Weste, aus Plastiktüten werden T-Shirts. Ende der 80er-Jahre ein Unding in der Modewelt.

Der Meister der Dekonstruktion liebt es, Dinge zu zerlegen und sie dann wieder neu zusammenzufügen. Durch nach außen gewendete Nähte, Fadenreste oder ungesäumte Kanten bleibt der Produktionsprozess sichtbar.

Mit seinen Kreationen bewegt sich Maison Martin Margiela häufig am Rande des Hässlichen - aber genau dieses konzeptuelle Denken macht den Reiz und den Erfolg seiner Mode aus.

Zum 20-jährigen Jubiläum gratuliert die Modewelt auf eigene Art und erkennt das enge Zusammenspiel zwischen Mode und Kunst. Das Haus der Kunst in München zeigt vom 20. März bis zum 1. Juni eine Retrospektive: Maison Martin Margiela 20. The exhibition. Gleichzeitig eröffnet in der Münchner Maximilianstraße 34 der erste Store von MMM in Deutschland.

Die Retrospektive ist in Sektionen gegliedert: Tabis (Stiefeletten, bei denen der große Zeh eine eigene Sohle hat), Replica (Reproduktionen archetypischer Second-Hand-Kleidung aus unterschiedlichen Epochen), Daunenmäntel, "flache", zweidimensionale Entwürfe, Herrenkollektionen, Puppenkleidung, Übergrößen, Artisanal, Büros und Läden.

Derzeit wird gemunkelt, dass sich Margiela als Chefdesigner aus seiner eigenen Marke zurückzieht - für die Modewelt wäre das eine Katastrophe. Er selbst kann einfach unerkannt weiterleben...

Highlights der Ausstellung und aus Margielas Schaffen sehen Sie in unserer Gallery!

Weitere Informationen unter: www.hausderkunst.de

Kathrin Büchs, 19.03.09 - 11:54

 


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Ausstellungen, Designer, Weiß, Maison Martin Margiela

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Aus der Frühjahrs-/Sommer-Kollektion 2008 von Martin Margiela.

Aus der Frühjahrs-/Sommer-Kollektion 2008 von Martin Margiela. Eine Retrospektive im Münchner Haus der Kunst ehrt nun das 20-jährige Bestehen der Maison Martin Margiela.
  Foto: Marina Faust

Aus der Frühjahrs-/Sommer-Kollektion 2008 von Martin Margiela.Früher engagierte Margiela Models von der Straße weg. Mittlerweile arbeitet er mit professionellen Models, wahrt durch schwarze Balken oder Masken aber deren Identität.Kein Etikett, dafür versieht Margiela seine Kleidungsstücke mit einem hellen Stoffrechteck, das er mit vier großen Stichen in die Kleidung näht.Auch die Models bleiben unerkannt. Aus der Herbst-/Winter-Kollektion 2008/2009.2001 brachte MMM eine Frühjahrs-Kollektion heraus, die mit Übergrößen arbeitete.
Aus der Herbst-Kollektion 2005/2006.Weiß spielt für Margiela eine zentrale Rolle: Hier zeichnen sich die Spuren von Zeit und Geschichte am deutlichsten wieder.Margielas Mode wird gelegentlich auch als Anti-Mode bezeichnet - er sieht es wohl eher als Kommentar zum Modesystem.Aus alt mach neu: eine Weste aus dem Jahre 1997.Margiela liebt das Spiel mit menschlichen Proportionen. 1994 vergrößerte er maßstabsgetreu Puppenkleidung von Ken und Barbie.
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