Parabene – gefährliches Konservierungsmittel in Kosmetika?

Dienstag, 08.03.2016

Parabene konservieren viele unserer Pflegeprodukte. Jedoch stehen sie im Verruf, das Hormonsystem zu beeinflussen und eventuell sogar Krebs auszulösen. Wir sind der Frage nachgegangen, ob sie wirklich gefährlich sind.

Parabene begegnen uns tagtäglich in Shampoo, Gesichtscreme und anderen Pflegeprodukten. Denn sie sorgen dafür, dass unsere Kosmetika lange frei von Keimen bleiben. Allerdings verunsichern die Diskussionen um die Verwendung von Parabenen Verbraucher schon länger und die Frage, ob sie unserer Gesundheit schaden, beschäftigen viele. Wir haben den aktuellen Wissenstand zum Thema für dich zusammengefasst:

Was sind Parabene?

Parabene sind Salze und Ester der para-Hydroxybenzoesäure (PHB-Ester), mit anderen Worten, synthetische Konservierungsstoffe. Seit mehr als 80 Jahren halten sie Kosmetika frei von Pilzen und Bakterien. Die Kosmetikindustrie nutzt Methyl- und Ethylparaben, Butyl- und Propylparaben, Isopropyl-, Isobutyl-, Pentyl-, Benzyl- und Phenylparabene.
Meist sind Parabene in Produkten enthalten, die einen hohen Wasseranteil besitzen, wie Shampoos, Haarspülungen, Bodylotions, Duschgels und Sonnenschutzmittel.

Parabene: Auswirkungen auf den Körper

Sie haben laut Stiftung Warentest "eine schwache östrogen-ähnliche Wirkung; das ist auch von Bestandteilen von Pflanzen – zum Beispiel Isoflavonen aus Soja – bekannt." Das bestätigt auch das BfR, demzufolge ist „von einigen Parabenen […] aus Tierversuchen bekannt, dass sie das Hormonsystem beeinflussen können. Die Stiftung Warentest führt allerdings weiter aus, dass im Vergleich zum natürlichen Sexualhormon die östrogene Potenz von Parabenen um ein Vielfaches niedriger sei. "Sie gehören zu den am häufigsten eingesetzten Konservierungsstoffen und haben sich bislang als gut verträglich bewiesen"

Auch der europäische Wissenschaftsausschuss für Verbrauchersicherheit, the European Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS), sieht in Parabenen bisher kein Gesundheitsrisiko, da die bis dato durchgeführten Forschungen keine negativen Auswirkungen auf den menschlichen Körper festgestellt hätten. Des Weiteren schreibt Stiftung Warentest, dass "nach derzeitigem wissenschaftlichen Stand […] eine relevante hormonelle Wirkung von Parabenen nicht zu erwarten" sei.
Dennoch warnen Chemikalien-Experten vor einem sogenannten Cocktaileffekt. Ein Effekt, der auftreten könnte, wenn verschiedene kosmetische Produkte mit Inhaltsstoffen verwendet werden, denen eine ähnliche Wirkung zugeschrieben wird. In unseren Körpern würde sich gemäß dieses Prinzips ein ganzer Cocktail an Chemikalien befinden. Im Interview mit dem ARD-Magazin Plusminus erklärt etwa Dr. Marike Kolossa des Umweltbundesamtes dazu: "Insofern haben wir eine systematische Unterschätzung der Gefährlichkeit unserer Chemikalienbelastung."

Lösen Parabene Krebs aus?

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bewertet Parabene negativ. Er untersuchte 2013 im Rahmen einer Studie 60.000 Kosmetika auf ihre Inhaltstoffe. Dabei wurden in fast jedem dritten kosmetischen Produkt hormonähnliche Substanzen festgestellt; am häufigsten Parabene. Daraufhin forderte der BUND ein Verbot der Stoffe in Pflegeprodukten.
Grund für die Forderung eines Verbots seien die Auswirkungen von Parabenen auf den Körper, die zu Krebs, Unfruchtbarkeit, Missbildungen und verfrühter Pubertät führen könnten, so der BUND. Bereits 2004 brachte eine britische Studie Deodorants, die Parabene enthalten, in Verbindung mit Brustkrebs, was daraufhin heftig diskutiert wurde.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bewertete die Studie allerdings folgendermaßen: "Derzeit gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis, dass der Gebrauch derartiger Deodorants das Risiko einer Brustkrebserkrankung erhöht. Allein aufgrund der Tatsache, dass Parabene im Tumorgewebe von Brustkrebskranken enthalten sein könnten, lässt sich nach Meinung des Institutes noch kein ursächlicher Zusammenhang zwischen diesen Stoffen und der Entstehung von Brustkrebs herstellen."
Zu der BUND-Studie äußerte sich außerdem der Toxikologe Gilbert Schönfelder in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit: "Die Veröffentlichung des BUND ist erst einmal keine wissenschaftliche Studie, sondern basiert auf einer Produktdatenbank, in der Laien Informationen für Laien zusammentragen." Lediglich die Nennung eines Stoffes sei somit noch keine Risikobewertung, da man berücksichtigen müsse, ob die enthaltenen Mengen überhaupt gesundheitsschädlich seien.

Parabene

Parabene: Wie viel ist in der EU erlaubt?

Die EU hat den Einsatz von Parabenen als Konservierungsstoff bis zu einer Anwendungs-konzentration von 0,4 Prozent zugelassen. Bei Ester-Gemischen dürfen es bis zu 0,8 Prozent sein. Methyl- und Ethyl-paraben seien in dieser Konzentration laut BfR und SCCS sicher. Nur bei der Verwendung von Butyl- und Propylparaben wird eine Konzentration von nur 0,19 Prozent empfohlen, da es hierzu noch keine fundierten Studien gebe. In Kinderkosmetika, die im Windelbereich verwendet werden, dürfen sie daher seit April 2015 nicht mehr verwendet werden. Laut SCCS könnten bei einer bestehenden Hautreizung, wie etwa einem wunden Popo, die Parabene stärker in die Haut des Babys eindringen.
Für die Parabene Isopropyl-, Isobutyl-, Pentyl-, Benzyl- und Phenylparaben allerdings sei die Datenlage für eine Bewertung des gesundheitlichen Risikos derzeit nicht ausreichend. Deshalb sind diese als Konservierungsmittel in kosmetischen Mitteln seit Oktober 2014 in der EU nicht mehr zugelassen.

Parabene – ja oder nein?

Wie nun mit den zugelassenen Parabenen umgehen? Folgt man dem aktuellen Kenntnisstand und geltenden Regelungen, können Pflegeprodukte mit Parabenen auch weiterhin verwendet werden, da negative Auswirkungen auf den Körper bislang nicht wissenschaftlich bewiesen werden konnten. Eine Alternative zu Parabenen wäre dem BfR zufolge zudem nur durch die Kombination von mehreren Substanzen möglich. Das Institut merkt daher dazu an: "Einen generellen Ersatz von Parabenen befürwortet das BfR nicht, weil diese Stoffe gut hautverträglich sind und im Gegensatz zu anderen Konservierungsmitteln ein geringes Allergierisiko bergen."

Wer dennochkomplett auf Parabene verzichten möchte, hat es nicht ganz leicht. Verbraucher wissen meist schlicht nicht, wie die jeweiligen Konservierungsstoffe heißen. Deshalb bietet etwa der BUND die App ToxFox an, mit der sich Verbraucher über Inhaltsstoffe in Kosmetika informieren können. Mithilfe dieser App findest du ganz einfach Pflegeprodukte ohne das Konservierungsmittel.

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Sind Parabene gefährlich?

Parabene sind Inhaltsstoffe vieler Kosmetika. Können sie uns gefährlich werden?

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